Sie sind hier: Startseite

Mittwoch, 09.16.2020
Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg
Unter diesem Titel legt die Lüneburger VVN BdA ihre neue Schrift vor
 
 
Inhaltsverzeichnis Titelblatt "Kalter Krieg in Lüneburg"  Vorwort anlesen
 

Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg
   Unter diesem Titel legt die Lüneburger VVN BdA eine fünfte Schrift vor, mit der sie ihr Geschichtsprojekt „Das Landgericht Lüneburg als ‚Spitze der justi zförmigen Kommunistenverfolgung‘ der 1950er/1960er Jahre“ abschließt. Erstmals in der Bundesrepublik untersuchen die Verfasser die strafrechtliche Verfolgung antifaschistischer Bestrebungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit nach dem Strafrechtsänderungsgesetz von 1951 bis 1968 dezidiert an einem Gerichtsort, nämlich am Beispiel der Praxis von Staatsanwaltschaft und politischer Strafkammer des Lüneburger Landgerichts.
   Nach einer Vorstellung des Justizpersonals dieser Strafkammer (einschließlich der Staatsa nwaltschaft ) mittels ihrer be ruflich politischen Biographien insbesondere als Nazi Juristen im Band I und der Darstellung der Verfolgungs-bemühungen der Staatsanwaltschaft sowie der Spruchpraxis des Gerichts im B and II a bis II c folgt im nun vorgelegten Band III ein Resümee.
   Ein maßgeblicher Schwerpunkt der Schrift stützt sich auf bislang nicht ausgewertete Überlieferungen des Nieder-sächsischen Landesarchivs, den Sachstandsberichten der Lüneburger Staatsanwaltschaft über ihre politischen Verfahren während dieser Zeit. Diese Schriftsätze, die über das Justizministerium in Hannover dem Bundesjustizministerium in Bonn vorgelegt wurden, geben Auskunft über das Selbstverständnis der Strafverfolgungsbehörde (sowie der Ministerien), welches ein aggressiv antikommunistisches, nationalistisch völkisches, autoritär antiliberales Sta atsverständnis offenbart und ebenfalls antisemitische Züge trägt.
   Die Auswertung dieser Sachstandsberichte erlaubt es nunmehr, einen detaillierten Blick in die NS affine Mentalität der Lüneburger Staatsanwaltschaft zu werfen, die auch vor einer Desavouierung von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer und Kirchenpräsident Martin Niemöller und anderen antifaschistischen Persönlichkeiten nicht Halt macht. Es wird der Umfang und die Intensität staatsanwaltschaftlicher Verfolgungsbemühungen in ihrer Zusammenarbeit mit den Behörden des Verfassungsschutzes und der Nachrichtenpolizei beschrieben, die den damaligen Saarbrücker Strafrechtsprofessor (und späteren FDP Bundesjustizminister) Maihofer zur Bemerkung veranlassten, dass sie „einem ausgewiesenen Polizeistaat alle Ehre machen.“
   Eine Auflistung von Opfern der Lüneburger politischen Strafjustiz schließt den Band ab. Von den insgesamt 889An-klagefällen konnten die Namen von 486 Personen recherchiert und aufgelistet werden. Eine Addition der erlittenen Haftstrafen beträgt demnach ca. 4.000  onate Gefängnis
   In einem Rechtstaat können die in dieser Broschürenreihe vorgelegten Arbeitsergebnisse nur eine Konsequenz haben: Die Rehabilitierung dieser Verfolgten des Kalten Bürgerkrieges und die Ent schädigung der Verurteilten. Diesen „Menschen, die um ihre Freiheit, ihren Beruf, ihre Renten, mit einem Wort um ihr Lebensglück gebracht (wurden), weil ihre politische Gesinnung nicht in die antikommunistisch ausgerichtete formierte Gesellschaft passte“ (Rechtsanwalt Heinrich Hannover) muss endlich Gerechtigkeit zuteil werden. Die Zeit eilt, wenn die wenigen noch lebenden seinerzeit Verfolgten noch ihre gesellschaftliche Anerkennung erleben sollen.
   Die Broschüre „Das Landgericht Lüneburg als ‚Spitze der justizförmigen Kommunistenverfolgung“ der 1950er/1960er Jahre“, Teil III „Kalter Bürgerkrieg in ist (wie die anderen Schriften dieser Reihe) auf Rechnung für 7,00 Euro zu erhalten unter der Bestelladresse: vvn-bda-lueneburgätvvn-bda-lgpunktde (Entsprechendes einsetzen)

Lüneburg, d. 9.9.2020
 pg

Samstag, 05.09.2020

Die letzte Veranstaltung zum diesjährigen Antikriegstag 

morgen im Scala-Kino

„Chichinette – Wie ich zufällig Spionin wurde“

06.09.2020, 10:30 Uhr,  VVN-Filmveranstaltung zum Antikriegstag, Lüneburg, Scala-Kino

Zu den Filminfos

Hygiene & Sicherheit

Maske bis zum Sitzplatz, Abstand & Rücksicht: Lesen Sie bitte unsere Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen und halten Sie sich bitte beim Kinobesuch im Interesse aller Besucher*innen an diese Regeln.

Download

Kontaktverfolgung

Wir sind verpflichtet, an der Kinokasse Ihre Kontaktdaten zu erfassen. Bringen Sie gerne den bereits ausgefüllten Kontaktbogen mit ins Kino! Bei Online-Tickets werden Ihre Daten im Kaufprozess direkt erfasst.

Download

 Ich empfehle Karten vorab zu kaufen oder zu bestellen:

https://www.scala-kino.net/tickets/24224/7905

pg


Mittwoch, 26.08.2020

Zum Antikriegstag 2020 in Lüneburg spannen wir ein Band des Friedens

29.08.2020 Clamarpark 16:00 Uhr

Plakat Plakat

                                                   Vergrößerte Darstellung

pg


Dienstag, 11.08.2020

Mahnwache vor dem Walsroder Rathaus

Walsrodes Bürgermeisterin wurde aufgefordert Städteappel zu unterschreiben

Mahnwache Aus Hiroshima lernen – Keine neuen Kampfjets

Friedensglocke-Pferdetreck unterstützt lokale Mahnwache

Eingeladen von der Friedens-aktion Lüneburger Heide gab es im Heidekreis erstmals eine Aktion zum Hiroshima-Gedenktag. Zur Mahnwache setzten sich 25 Engagierte der prallen Sonne vorm Walsroder Rathaus aus. 20 weitere mit Plakaten blieben im Schatten der Häuser.

Die beiden US-Atombomben 1945 auf Japan kosteten über 250.000 Menschen das Leben. Walsrode gehört dem Bündnis der Citys der „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für Frieden) an. In diesen Städten finden Aktionen statt gegen Atomwaffen und atomare Teilhabe Deutschlands.
Gewerkschafter Fritz Patzelt und Ratsfrau Christel Wensorra übergaben Bürgermeisterin Helma Spöring einen auffordernden Brief. Darin kritisiert die Friedensaktion, dass auf deutschem Boden immer noch US-amerikanische Atomwaffen lagern und dass die Bundesregierung Milliarden Euro für neue Kampfjets ausgeben will, die diese Atombomben transportieren sollen. Gemeinsam mit GewerkschafterInnen und Unorganisierten kritisieren die Ratsmitglieder Christel Wensorra (Grüne) und Wolfgang Haack (Linke), dass so Deutschland selbst zum Ziel eines atomaren Gegenschlages werden könnte. Im Brief heißt es: „Es handelt sich hier ganz klar um einen Tabubruch, denn aufgrund der jüngeren Geschichte war Deutschland vom Besitz von Atomwaffen ausgeschlossen. Durch die Hintertür soll dieser Zustand beendet und das Verbot des Besitzes von Atomwaffen umgangen werden.“

Die Bürgermeisterin wurde aufgefordert, den Städteappell zu unterschreiben, worin die Bundesregierung aufgefordert wird, sich dem Atomwaffenverbotsvertrag anzuschließen, der bereist von 120 Staaten unterzeichnet wurde.
Mahnwache

 ver.di- und DGB-Sprecher Charly Braun erläuterte: Der Städteappel ist eine Initiative der Internationalen Friedensorganisation ICAN, die dafür den Friedensnobelpreis erhielt. In Deutschland haben über 100 Kommunen und vier Bundesländer den Appell bereits unterschrieben. Sie repräsentieren über 25 % der Bevölkerung. Braun wies auf die aktuelle Meinungsumfrage hin, wonach 92 % der Deutschen die Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrags befürworten.

Auch das Internationale Rote Kreuz und Pax Christi warnen vor dem gestiegenen Risiko des Atomwaffeneinsatzes.

Erinnert wurde auch an die Friedensbewegung von 1983, die angesichts von Atomsprengköpfen im Munitionsdepot Beetenbrück forderte: „Walsrode – atomwaffenfreie Zone“.

Agraringenieur Heinz-Werner Reichenbach kritisierte, dass die USA sich bis heute nicht einmal für die Atombomben auf Japan entschuldigt habe.

Ihren Friedenstreck auf der Reise nach Jerusalem stellten zünftig gekleidet Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz aus Brandenburg und Landwirt und Bürgermeister Heinz Bley aus Thüringen vor. Der Treck ist gerade zwischen Heidekreis und Nienburg unterwegs. Mit etlichen Pferdegespannen transportieren sie eine aus Militärschrott gegossene Friedensglocke und betreiben damit „Volksdiplomatie für Frieden“.

Pressmitteilung der Friedensaktion Lüneburger Heide

 pg

 


Dienstag, 11.08.2020

Unterlüß, den 10. August 2020


Die Heide blüht LILA, nicht BRAUN und auch nicht
OLIV-GRÜN
Zwei große Aktionskonzerte für den Frieden in
Unterlüß

Pressmitteilung der Friedensaktion Lüneburger Heide
   Unterlüß: Am Samstag, 15. und Montag, 17. August veranstaltet die bundesweite Musikgruppe LEBENSLAUTE mit über 100 Musiker*innen zwei große klassische Konzerte in Unterüß. Einmal – am 15. August - im Bürgerpark und das andere Mal – am 17. August - in Sichtweite zum Haupteingang der Firma Rheinmetall. Überwiegend klassische Stücke von Händel, Beethoven und Brahms, aber auch Stücke von Bob Dylan und moderne Musik werden von hervorragenden Laienund Berufsmusiker*innen dargebracht. Auch eine große Gruppe von guten Sänger*innen erweitert das Programm und rundet es ab.

   Die Konzerte wenden sich gegen Militär und Rüstung. Die Organisierenden, die LEBENSLAUTE selbst und die FRIEDENSAKTION LÜNEBURGER HEIDE, wollen mit diesen Konzerten darauf aufmerksam machen, das in den Kreisen Celle und Heidekreisder Südheide das Militär mit den Bundeswehrstandorten und Truppenübungsplätzen Bergen, Beetenbrück, Faßberg, Munster und Wietzenbruch sowie der Rüstungsfirma Rheinmetall eine sehr große Rolle spielen. Militär und Rüstung waren in der Vergangenheit und sind es auch heute, nie Garanten für eine zivile und friedliche Welt.

   Deutsches Militär ist aktuell mit Bundeswehrsoldaten - auch aus der Heide - an vielen Kriegen in der ganzen Welt direkt oder indirekt beteiligt. Und, die Kriegsschauplätze in der Welt, an denen Waffen und Munition der Fa. Rheinmetall - auf beiden Seiten - nicht zum Einsatz kommen muss Mann/Frau mit der Lupe suchen.

   Es ist unstrittig, dass in der Heide sehr viele Arbeitsplätze – aus unserer Sicht viel zu viele – am Militär und an der Rüstung hängen. Die gewerkschaftliche Forderung „Abrüstung JA – arbeitslos NEIN!“ muss durch staatliche Förderung einer zivilen Wirtschaftsstruktur Wirklichkeit werden. Bereits heute spricht sich eine deutliche Mehrheit der deutschen Bevölkerung gegen Aufrüstung, Auslandseinsätze und Rüstungsexport aus.

  pg


Dienstag, 04.08.2020

Autorenvereinigung PEN solidarisiert sich mit der VVN-BdA im Kampf gegen die Aberkennung der Gemeinnützigkeit

Die Vorsitzende Regula Venske berichtet im WDR-Hörfunk über die Gründe

Zum Hörfunkbeitrag des WDR

Zur Textfassung auf der Seite der VVN-BdA

 pg


Dienstag, 04.08.2020

Freispruch für Ramadam


Am 29.07.2020 wurde Ramadam vom Landgericht Lüneburg freigesprochen

   Ob die ihm jetzt zustehende Entschädigung die erlittenen Wunden heilen wird, ist fraglich.
Der gesamte Prozess war geprägt von Vorurteilen, die ihre Grundlage im existierende strukturellen, teilweise offenen Rassismus haben.
   Die lokale Lüneburger Presse, voran die Landeszeitung Lüneburg, leistete dem durch ihre Berichterstattung Vorschub. Leider fehlt bis heute ein Bericht zum Ausgang der Prozessserie, der dies Vorverurteilungen gerade rücken könnte. Immerhin war in der "Lünepost" ein Artikel über den Freispruch Ramadams zu lesen.

Zu einem Kurzbericht auf dem Blog "Solidarität mit Ramadam"

 

-   Berichte zum Prozess auf   Solidarität mit Ramadan

Ältere Artikel über die Prozesse Ramadan

 

 pg


Mittwoch, 08.07.2020

Eine rassistische Gedankenwelt oder ein Einstehen für universal gültige Menschrechte?

   Unter diese Fragestellung lässt sich vielleicht eine Kontroverse subsummieren, die das interessierte Lüneburg derzeit bewegt - mit erheblicher Sprengkraft. Ihren Ausgangspunkt nahm dieser Konflikt in einer Mitteilung von Frau Marion Minks auf facebook, in der sie einen post/Aufsatz von Kian Kermanshahi mit dem Titel „Warum nicht alle Kulturen gleich sind“ positiv bewertete und weiterleitete.  Ihr Ehemann, Stefan Minks, schloss sich diesem Votum an, löschte diesen Eintrag aber nach einiger Zeit wieder. Das Brisante an diesen Persönlichkeiten: Beides sind bekannte SPD-Mitglieder in Lüneburg, Herr Minks wirkt als SPD-Ratsherr.
   Die Kontroverse nahm ihren Lauf: Vorwürfe des Rassismus wurden (halb-)öffentlich insbesondere gegenüber Frau Minks erhoben, die SPD-Ratsfraktion diskutierte Vorwürfe und Gegenrede, externe Schlichter wurden eingeschaltet, „Gutachter“ um eine Expertise bemüht.
   Ungeachtet der einzelnen Phasen dieser Kontroverse, über die zu berichten wir nicht autorisiert sind, halten wir es für wichtig und sinnvoll, die unterschiedlichen Positionen hier zu dokumentieren, soweit sie in schriftlicher Form vorliegen (Stand: 8.7.2020). Es handelt sich um den von Frau Minks geteilten Facebook-Post (Kian Kermanshahis Aufsatz „Warum nicht alle Kulturen gleich sind“), die Stellungnahme der Lüneburger VVN-BdA zu diesem Aufsatz und eine Erwiderung von Frau Minks an uns.
   Wir sind uns sicher, dass damit die Debatte nicht beendet sein wird und bemühen ins derzeit darum, trotz der Corona-Einschränkungen eine geeignete Form des öffentlichen Disputs zu finden.  Den Anfang machen wir hier.

 

 Ausgangspunkt der Auseinandersetzung: Der Blogbeitrag des Kian Kermanshahi

 

Zu den Inhalten dieses Textes nimmt die VVN-BdA-Lüneburg wie folgt Stellung

  Zusammenfassend dargestellt basieren die Aussagen des Textes auf einer rassistischen Gedankenwelt des Autors. „Kulturen“ sind seiner Ansicht nach nicht nur verschieden, sondern auch unterschiedlich wertvoll, wobei die europäische/westliche die überlegene sei, die es zu exportieren gilt. (Siehe hier besonders die Definition der Bundeszentrale für politische Bildung unter 2)

Der Blick des Autors ist eurozentristisch1: „Was ‚Kultur‘ zu sein hat, wie sie zu bewerten ist, bestimmen wir!“ Er zeigt ein statisches Verständnis, berücksichtigt Veränderungsprozesse von Personen(-gruppen) in ihrem kulturellen Verhalten nicht, eben so wenig deren Determinanten.


   Der Autor zeigt einen rassistischen ethnopluralistischen Ansatz2, geht aber noch darüber hinaus, indem er nicht nur Rassen/Völker/Kulturen definiert, die ihr naturbedingt negatives Wesen nicht ändern können/wollen und deshalb „Abwehrmaßnahmen“ gegen deren Einwanderung/für deren Ausgrenzung zu fordern seien, sondern er verfolgt das Konzepts des Exports der eigenen, besseren Kultur in jene

Länder, die er als mindere Kultur ausgemacht hat.

   Es ist naheliegend, dass sich jemand, der diesen Text auf seinem Facebook-Blog teilt, damit für Weiterverbreitung sorgt und/oder diesen liket, mit dessen Inhalt und rassistischen Aussagen übereinstimmt.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Eurozentrismus: „Unter Eurozentrismus versteht man die ideologische Beurteilung inner- und außereuropäischer Gesellschaften nach europäischen Vorstellungen; demnach auf der Grundlage der von Europäern entwickelten Werte und Normen. Diese Wertvorstellungen, Kategorienbildungen und Überzeugungen nehmen im Eurozentrismus als Maßstab das alleinige Zentrum des Denkens und Handelns ein. In diesem Sinne umfasst der Begriff Eurozentrismus nicht nur das geografische Europa“, sondern die „westliche Welt“.

2 Eine Definition der sicherlich politisch unverdächtigen Bundeszentrale für politische Bildung https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/230862/transkript-zum-ethnopluralismus: „Ethnopluralismus hört sich vielleicht harmlos an, ist aber auch rassistisch, nur dass nicht von Rassen die Rede ist. Das Konzept des Ethnopluralismus dient Rechtsextremen dazu, ihren Rassismus zu verschleiern und damit weniger angreifbar zu machen. Der Ethnopluralismus ist ein Konzept der sogenannten Neuen Rechten. Statt von verschiedenen Rassen sprechen diese jetzt von einer Völkervielfalt … Ethnopluralisten behaupten, dass Völker unveränderliche Eigenschaften hätten … Ethnopluralisten führen Unterschiede zwischen Menschen auf die verschiedenen Kulturen der Völker zurück … Rechtsextreme fordern, dass sich Kulturen auf keinen Fall vermischen sollten … Mit dieser Begründung wenden sich Ethnopluralisten zum Beispiel gegen Einwanderung

und Flüchtlinge.“

Im Einzelnen

Es handelt bei dem vorliegenden Text nicht um einen Debattenbeitrag zum Thema „Warum nicht alle Kulturen gleich sind“ sondern mehr um eine als Ansprache an einen internen Kreis Gleich- oder ähnlich Gesinnter. Dabei hält sich der Verfasser nicht an die von ihm als Standard westlicher Kultur hochgelobten Kriterien der Rationalität. Perspektiven und Begrifflichkeiten, insbesondere „Kultur, Religion, Nation“, werden munter durcheinanderwirbelt. Schließlich landet er bei der These, dass die Kulturen nicht nur verschieden oder unterschiedlich sind, sondern ungleich, darüber hinaus aber die muslimischen, arabischen, afrikanischen, jüdischen (die nicht-westliche) Kulturen minderwertig gegenüber der „westlichen Welt“ sind und deshalb auch nicht als gleichwertig behandelt werden dürfe.

Schon der Eingangssatz des Beitrages („Ich habe keine Angst auszusprechen, dass nicht alle Kulturen gleich sind.“) lässt neben seiner nicht haltbaren These das Selbstverständnis des Autoren spüren, als jemanden, der sich damit hervortut, im Gegensatz zu anderen (die eben diese Angst verspüren) und allen Widerständen zum Trotz, diesen Mut aufzubringen sowas zu formulieren analog zum „besorgten Bürger“, der, umgeben von einer feindlichen Welt der Gutmenschen, endlich auch mal mit „Das darf man ja wohl mal sagen …“ und „Ich bin kein Rassist, aber …“ dagegenhält.

Im Folgenden warnt der Autor davor, „die Bedeutung der westlichen Kultur zu untergraben“. Diese Untergrabungsaktivität wird nach seiner Ansicht nicht entwickelt durch eine Infragestellung bestimmter Momente dieser westlichen Kultur von wem auch immer (an dieser hat er nichts zu kritisieren), sondern durch „die Absicht (einiger Kreise), die westlichen Werte allen anderen Kulturen gleichzustellen.“ Dieses sei ein Versuch, „die kulturellen Wettbewerbsbedingungen auszugleichen.“ Der Autor fordert hier einen kulturellen Wettkampf (synonyme Begriffe: Wettbewerb, Kampf, Krieg), der gewonnen werden müsse durch Dominanz.

Damit niemand auf den selbstverständlichen Gedanken kommt, an dieser Stelle das Postulat der Gleichheit der Kulturen (evtl. analog zur Gleichwertigkeit aller Menschen) als gedankliches, moralisches und politisches Ergebnis von Kolonialismus und Faschismus zu interpretieren, räumt der Autor zwar eine „Verlegenheit über die vergangene westliche Geschichte“ ein, spricht nebulös „unsere vergangenen Fehler“ an, ohne dies inhaltlich näher zu erläutern. Einige Kulturen außerhalb der westlichen Welt seien halt „destruktiv“, benötigen einer „dringender Verbesserung“. Leider, so der Autor weiter, werde es eine solche „Verbesserung“, eine Transformation dieser destruktiven Momente ins Konstruktive bei diesen Kulturen nicht geben können, denn:

„Manche Kulturen sind von Natur aus schlechter und manche sind besser.“ Unabhängig von Personal, Geschichte, Entwicklung, Geographie und Herrschaftsform: von Natur aus. Diese Natur sei bestimmend für die „systemischen Verwüstungen (durch) islamischen Ideen im Nahen Osten … und Afghanistan“ und zeige sich naturgesetzlich vorprogrammiert in „geistesarmen Glaubenssystemen“ in Afrika. Demgegenüber sei es wichtig, die Werte der westlichen Kultur „zu schätzen, … zu erhalten, … zu fördern“ und zu erkennen, dass diese „anderswo dringend gebraucht werden“. Diese „sind es sogar wert, exportiert zu werden … (Sie seien) exportwürdig.“

Im Folgenden rät der Autor „Es muss … freigestellt sein … zu bewerten.“) eine Bewertung der verschiedenen Kulturen „mit (einem) pragmatischen Blick", und zwar demselben, „mit dem wir z. B. auf Unternehmen schauen.“ Die vorgeschlagene, die Leser zunächst irritierende Analogie eines derart gleichen Blickes auf ein Unternehmen wie auf eine Kultur wird begründet mit ihrer Funktionalität: „Gute, vernünftige Geschäftspraktiken helfen Unternehmen, sich positiv nach vorn zu entwickeln, weil sie effektive Wege finden, Dinge zu entwickeln. Sie legen ab, was den Erfolg verhindern könnte.“ Unklar bleibt dabei: Was bedeutet „nach vorn … entwickeln“? Der Autor zeigt hier seine Gedankenwelt, wonach eine Kultur nach denselben Maßstäben zu funktionieren habe wie erfolgreiche Unternehmen als deren Kern. Das eine Kultur auch andere Perspektiven aufweisen könne als eine unternehmerische Profitmaximierung scheint für den Autor nicht denkbar.

Die Beispiele, die der Autor als „von Natur aus schlechtere“ Kulturen benennt, sind fortschritts- und rationalitätsfern. Um bei der Medizin zu bleiben: Nicht die Schamanen, die Inuit, die Japaner, die Aborigines oder viele andere benennt der Autor, um die „schlechte“ von der guten „westlichen“ Kultur zu unterscheiden (und zugleich jene abzuwerten), sondern die der Muslime und der Juden.

Warum er das macht, wird in den anschließenden letzten beiden Absätzen seiner Meinungsäußerung deutlich.  Hier fasst er nochmal zusammen, dass in der westlichen Kultur sich „bewährte Prinzipien und Wahrheiten“ durchgesetzt hätten, weil sie sich „an der Realität orientierten“. Die „westliche Welt (hat) grandiose Entwicklungen durchgemacht …, ihre Stammesreligion gebändigt, den Humanismus entwickelt und erstaunliche Menschenrechte entwickelt, die ihresgleichen suchen.“

Im Unterschied dazu würden sich die nicht-westlichen Kulturen (s. o.: Muslime, Juden, Afrikaner) auszeichnen durch einen „kulturell verankerten Missbrauch von Jungen, die tiefe Frauenverachtung, die Brutalität, mit der das Stammesrecht durchgesetzt“ werde. Man solle sich nicht täuschen lassen von schöner afghanischer Musik, großartigem Essen, bunten Trachten und herzergreifender Prosa: Jene Kultur „manifestiere … eine zivillose und archaische Gesellschaft“, die sie nach Meinung des Autors nicht ändern will und kann, wegen der (s. o.) naturgesetzlichen Determinierung.

 

Frau Minks erwidert unsere Stellungnahme mit folgenden Ausführungen

Sehr geehrter Herr Gunkel,
sehr gerne nehme ich Stellung zu dem Blogartikel von Kian Kermanshahi, den ich auf meiner FB-Seite geteilt habe und möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie deswegen auf mich zukommen. Sie sind bislang der Erste, der an einer inhaltlichen Debatte zum Thema Kulturrelativismus ernsthaft interessiert ist. Zunächst einmal möchte ich folgendes klarstellen: Mein Mann und ich, die wir seit über 25 Jahren aktive SPD-Mitglieder sind, verurteilen jede Form von Rassismus und Antisemitismus aufs Schärfste. Ferner distanzieren wir uns von jeder Form des Extremismus. Um die Vorwürfe gegen uns zu verstehen, müssen Sie wissen, dass es sich in seinem Ursprung um einen rein privaten Konflikt zwischen mir und Frau Antje Caic gehandelt hat. Frau Caic gehörte für kurze Zeit zu meinen FB-Kontakten. In einem Kommentar zu einem Beitrag über den Film „Nur eine Frau“,(eine Filmbiographie, die vom Leben der deutsch-kurdischen Berlinerin Hatun Sürücü handelt, die einem sogenannten Ehrenmord durch einen ihrer Brüder zum Opfer fiel) hat die diesen Film mit dem Nazipropagandafilm „Jud Süß“ gleichgesetzt. Dass sich ausgerechnet ein Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lüneburg e.V. dazu hinreißen lässt, Nazipropaganda, die, wie wir alle wissen, Wegbereiter für den Holocaust war, zu verharmlosen und damit die ungeheuerlichen Gräueltaten der Nazis zu relativieren, hat mich tief erschüttert. Diese Auseinandersetzung war der Anlass, weswegen Frau Caics Sohn sich zu Verbalattacken auf meiner FB Seite hinreißen ließ.

   Nun zu dem Beitrag, der nach meiner Wahrnehmung aufgrund von Herrn Caics Behauptungen grob fehlinterpretiert wurde. Ich tausche mich seit einigen Monaten über FB mit Herrn Kermanshahi aus und habe auf diese Weise viel über sein Leben, seinen Werdegang und seine heutigen Ansichten erfahren. Herr Kermanshahi ist als Kind kurdischer Einwanderer in Berlin geboren und „islamisch“ sozialisiert. Er hat sich schon in jungen Jahren mit dem radikalen Schiitentum identifiziert und war in verschiedenen Berliner Moscheegemeinden aktiv, die vom Iran finanziert wurden und die sich inhaltlich die Ideologie der islamischen Revolution des Iran zu Eigen machten. Herr Kermanshahi wurde sogar Mitorganisator der antisemitischen und israelfeindlichen „Quds Demonstrationen“ (Jerusalem Tag) in Berlin. Mit anderen Worten: Er war ein islamistischer Extremist, der andere Menschen wegen ihres (fehlenden) Glaubens, ihrer „westlichen Dekadenz“ und ihrer Art zu leben verachtet hat. Ab 2014 begann Herr Kermanshahi, diese Ideologie mitsamt ihrer Glaubensdogmen zu hinterfragen. Nach einer längeren Phase des Zweifelns und Denkens hat er sich von seinen
extremistischen Ansichten und schlussendlich vom Islam abgewandt und bezeichnet sich nun als Ex-Muslim. 

   Heute ist es sein dringendes Bedürfnis, Aufklärungsarbeit bezüglich des politischen Islam zu leisten und Nicht-Muslimen Innenansichten in eine Geisteswelt zu gewähren, die diesen sonst verschlossen bleibt. Herr Kermanshahi hat sich also aus eigener Kraft aus einer totalitären Geisteswelt befreit und seine Kritik richtet sich ausnahmslos gegen seine eigene Herkunftskultur bzw -Religion, die er im Nachhinein als vereinnahmend in allen Lebensbereichen empfunden hat. Auch wenn ich nicht alle seiner Ansichte teile, zolle ich ihm für diesen bedeutenden Schritt Respekt. In seiner Intention könnte man ihn durchaus mit dem Kirchenkritiker Karlheinz Deschner vergleichen, der ein ähnlich vernichtendes Bild vom Katholizismus gezeichnet hat und der, wie auch Herr Kermanshahi vom Naturell her zu Extremen neigte. Doch niemand würde Karheinz Deschner wegen seiner Religionskritik als Rassisten bezeichnen. Es gibt jedoch einen großen, und in dem Zusammenhang wichtigen, Unterschied zwischen Deschner und Kermanshahi: Herr Kermanshahi ist kein Akademiker, sondern Autodidakt. Seine Ausdrucksweise ist dementsprechend ungeschliffen und er wirft viel zu oft die Begriffe Kultur, Religion und Nation durcheinander. Allein aus diesem Grund lässt sich sein Text also nicht mit wissenschaftlichen Publikationen zu dem Thema „Kulturrelativismus“ vergleichen. Diesen Anspruch hat Herr Kermanshahi auch nicht. Viel mehr ist es seine Absicht zu provozieren und dadurch sein Gegenüber zum Nachdenken zu bewegen.

   Da ich also Herrn Kermanshahis Hintergrund und auch sein heutiges Menschenbild kenne, bin ich tief bestürzt, dass dieser Blogartikel von ihm derartige Missverständnisse hervorruft, die die Aussage des Textes komplett in sein Gegenteil verkehren. Um die Vorwürfe gegen Herrn Kermanshahi zu entkräften, muss man zunächst einmal feststellen, dass der Begriff Kultur in diesem Artikel neben Kunst und Wissenschaft, auch Traditionen, das jeweilige Gesellschaftssystem und eine Werteordnung, die sich in der Rechtsauffassung niederschlägt, umfasst. Dies zu benennen hat Herr Kermanshahi unterlassen, er hat vielmehr diese Annahme bei den Adressaten des Artikels vorausgesetzt. In Folge dessen hat er diese einzelnen Bereiche in seiner Argumentation zwar nicht deutlich voneinander abgegrenzt. Dass er dennoch verschiedene Bereiche von Kulturen differenziert, wenn er Vergleiche anstellt, erkennt man an den angeführten Zitaten: „...wenn ich von “westlicher Kultur” spreche, meine ich nicht zwingend Folklore und die gestandenen Traditionen, sondern die aus ihre hervorgegangenen Geisteswissenschaften, die positive Philosophie, die Rechts und Zivilwissenschaft usw.“ „Während jede Kultur ihre eigene Schönheit haben kann, sind nicht alle kulturellen Praktiken der Erhaltung wert.“ „...ist es daher besonders richtig, das zu schätzen, was in unserer Kultur einen echten Wert hat. In der Tat sollten diese Aspekte nicht nur erhalten, sondern gefördert werden. Es gibt sogar Teile unseres kulturellen Systems, die anderswo dringend gebraucht werden.“Es geht in dem betreffenden Blogartikel immer um verschiedene Aspekte/Bereiche der jeweiligen Kulturen die entwickelt werden können, und nicht darum, bestimmte Kulturen
von vornherein abzuwerten.

   Das, woran Sie sich, wie auch andere Leser, gestoßen haben, war vermutlich die durchaus missverständliche Formulierung, die der Autor besser nicht gewählt hätte: „Manche Kulturen sind von Natur aus schlechter und manche sind besser.“ Dass Herr Kermanshahi dabei weder rassistisches Gedankengut transportiert, noch die Theorie des Ethnopluralismus vertritt, wird nach meiner Auffassung beim Lesen schnell klar. Ethnopluralismus ist ein Weltbild der Neuen Rechten, die die kulturelle „Reinhaltung“ von Staaten und Gesellschaften nach Ethnien anstreben. Um den Begriff „Rasse“ zu vermeiden, bezieht sich die Neue Rechte nicht auf die biologische Abstammung von Menschen, sondern auf die Zugehörigkeit eines jeden Individuums zu einer Kultur, in die man hineingeboren wird. Fremde kulturelle Einflüsse werden als Gefährdung der eigenen Identität abgelehnt. Das Wesentliche und nach meiner Auffassung absolut verwerfliche an dieser Ideologie ist jedoch die Annahme, dass die Menschenrechte allein als Ausdruck westlichen Denkens aufgefasst werden und somit keine universelle Gültigkeit haben. Dies bedeutet in letzter Konsequenz, dass Menschen, auch im Geltungsbereich einer bestimmten Rechtsordnung, nicht automatisch gleichberechtigt sind, sondern dass das Recht des jeweiligen Kulturkreises gilt.

   Im Gegensatz dazu steht ein humanistisches Menschenbild, das jedem Individuum allein aufgrund seines Menschseins eine Reihe von individuellen Rechten zugesteht. Diese Menschenrechte sind universell gültig und unveräußerlich. Das humanistische Weltbild gesteht außerdem jedem Menschen die Fähigkeit zu, Erlerntes und Anerzogenes zu hinterfragen, sich weiterzuentwickeln und sich zu verändern. Genau darauf zielt der Text von Herrn Kermanshahi ab: „Das heißt, die kulturellen Elemente, die für Geistesfreiheit, Gewissensfreiheit, Religionsfreiheit und Wohlstand verantwortlich sind, sind es sogar wert, exportiert zu werden. Diese Dinge sind in der Tat Exportwürdig und für niemanden schlecht, der seine Nation verbessern möchte.“

   „Es muss uns freigestellt sein, Kulturen mit demselben pragmatischen Blick zu bewerten, mit denen wir zb auf Unternehmen schauen. Gute vernünftige Geschäftspraktiken helfen Unternehmen, sich positiv nach vorne zu entwickeln, weil sie effektivere Wege finden, Dinge anzugehen. Sie legen ab, was den Erfolg verhindern könnte.“ „Kultur hat keinen Wert, nur weil sie uralt ist. Vernünftige Menschen respektieren, was funktioniert, weil es zu Ergebnissen führt, die wir als besser anerkennen.“ Damit drückt der Autor auch ganz klar aus, dass alle Kulturen veränderungsfähig sind. Natürlich hätte kein Ethnologe oder Soziologe Kulturen mit Unternehmen gleichgesetzt, dennoch taugt diese Vereinfachung, um das Gemeinte zu verdeutlichen: Veränderungen sollen dem Wohle aller dienen. Dass diese Verbesserungen direkt auf Werte wie Toleranz, Gleichberechtigung, Meinungsund Religionsfreiheit abzielen, wird an mehreren Stellen deutlich: „Die Besonderheit der westlichen Zivilisation, wurzelt in bewährten Prinzipien und Wahrheiten, die fest in der Realität verankert sind. Man hat sich weitgehendst von allen kulturellen Praktiken distanziert, die eine Gesellschaft in Ignoranz und Apathie gefangen gehalten haben. die Kultur, die Frauen und Kinderfeindlich waren, wurde aufgegeben, die Kultur, die auf der Diskriminierung des Standes abzielten oder die Menschen wegen ihrer Überzeugungen diskriminierten, wurden aufgegeben, stattdessen hat die westliche Welt, grandiose Entwicklungen durchgemacht. Sie hat ihre Stammesreligion gebändigt, den Humanismus entwickelt und erstaunliche Menschenrechte definiert, die ihres gleichen
suchen.“

   Auch kann man Herrn Kermanshahi keinen Kulturchauvinismus vorwerfen, da er ausdrücklich betont: „Wir können Kulturen respektieren, die anderen gehören, ohne den gesunden Menschenverstand über sie abzulegen. Vermeidet blinde Arroganz um jeden Preis, seid nicht Chauvinistisch oder überheblich, aber nehmt niemals an, dass alle Kulturen gleich sind.“ Es mag uns als Westeuropäer zunächst befremden, wenn Herr Kermanshahi seine eigene Kultur bzw seine Herkunftsreligion als „bedrückend und rückständig“ (Siehe die ignorante Installierung von rückwärtsgewandten islamischen Ideen im Nahen Osten nach dem arabischen Frühling) beschreibt, für „systematische Verwüstungen ...(Siehe Afghanistan, Jemen usw.. )“ verantwortlich macht, wenn er vorbringt, dass Nationen „unter dem Gewicht geistesarmer Glaubenssysteme leiden. Ein solches Beispiel ist deutlich an Afrika zu sehen. Eine Exkursion nach Afrika reicht aus, um die düstere Realität der „wo die Kultur schief gelaufen ist“, aufzuzeigen.“Bei Letzterem hat der Autor es versäumt, ausdrücklich auf die in Afrika verbreitete Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung hinzuweisen, die damit gemeint war. Es irritiert jeden toleranten Menschen zunächst, wenn der Autor „über die barbarischen Sitten, des kulturell verankerten Missbrauchs von Jungen, die tiefe Frauenverachtung, die Brutalität, mit der das Stammesrecht durchgesetzt wird usw.“ in Afghanistan schreibt und Gesellschaften als „zivillos und archaisch“ bezeichnet. Man mag sich daran stoßen. Allerdings wäre es ebenfalls chauvinistisch, wenn man Herrn Kermanshahi das Recht abspräche, über seine Ursprungskultur zu urteilen, so wie wir als Deutsche zB über unsere eigene nationalsozialistische Vergangenheit urteilen.
Herrn Kermanshahis Ablehnung von „regressiven Linken“ gründet sich vor allem darauf, dass besonders in diesem politischen Spektrum der von ihm beklagte Kulturrelativismus als Gegenmodell zum Ethnopluralismus verstanden wird.

   Diese Problematik beschreibt Armin Pfahl-Traughber in seinem jüngsten Artikel in der „haGalil. Com - jüdisches Leben online“ besser, als ich es mit eigenen Worten ausdrücken kann: „Ausweitung und Eingrenzung des Rassismusverständnisses - Eine Kritik an einem neuen Menschenrechtsrelativismus“ „...Während nun aber Bestandteile von Kulturen durch menschliche Praktiken zustande kommen, wären Eigenschaften von „Rassen“ immer durch natürliche Vorgaben bedingt. Insofern könnten solche nur durch biologistische Auffassungen kritisiert werden, was auf einen klassischen Rassismus hinauslaufen würde. Dies ist aber nicht notwendigerweise der Fall, wenn in einer bestimmten Menschengruppe spezifische Wertvorstellungen als kritikwürdig gelten. So können etwa Frauendiskriminierung und Homosexuellenfeindlichkeit in bestimmten Kulturen als Menschenrechtsverletzungen verurteilt werden, was eben keine Form von „Kulturrassismus“ wäre. Eine derartige Auffassung geht davon aus, dass es kulturübergreifende und universelle Werte gibt. Damit lehnt man einen „Kulturrelativismus“ ab, der unter dem Motto „Andere Länder, andere Sitten“ problematische Wertvorstellungen verharmlost. Demgegenüber werden auch bezogen auf alle Gruppen oder Kulturen individuelle Rechte und Würde in den Vordergrund gestellt.

   Indessen gilt diese Auffassung für einen Bereich der Rassismusforschung mittlerweile selbst als „kulturrassistisch“ oder „rassistisch“. Derartige Deutungen lassen sich zumindest bei der Diskussion über den Islam und die Muslime ausmachen, besteht beidem gegenüber doch eine erkennbare Feindschaft nicht nur in der deutschen Gesellschaft. Dafür stehen Angriffe auf Einrichtungen wie Moscheen, Beleidigungen von Frauen mit Kopftüchern, Benachteiligungen aufgrund von Kleidungswahl, Einstellungen mit Hass und Ressentiment, Gewalthandlungen wie Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen oder Herabwürdigungen aufgrund von Terrorismus-Verdächtigungen. Es handelt sich eindeutig um Formen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, auch wenn hier kein biologistischer Rassismus ausgemacht werden kann. Diese Einsicht bedeutet indessen nicht, dass gegenüber dem Islam oder den Muslimen keine kritische Position eingenommen werden könnte. Denn es kommt dabei auf den inhaltlichen Ausgangspunkt und die möglichen Folgen des konkret Gemeinten an.

   So besteht eine grundlegende Differenz zwischen einer aufklärerisch-humanistischen Islamkritik und einer fremdenfeindlich-hetzerischen Muslimenfeindlichkeit. Im ersten Fall wird eine differenzierte Kritik aus menschenrechtlicher und wissenschaftlicher Perspektive vorgetragen, im zweiten Fall geht es um pauschale Herabwürdigungen mit demütigender und verletzender Wirkung. Betrachtet man nun aber die Diskussion zum Thema, so lässt sich eine Gleichsetzung beider Positionen konstatieren. Wenn etwa das Bild von Frauen und Homosexuellen in muslimischen Kontexten kritisiert wird, gilt dies manchen Betrachtern schon als Indiz für „Kulturrassismus“. Dies führt dann dazu, dass Frauenrechtlerinnen mit Rechtsextremisten auf die gleiche Stufe gestellt werden. Betroffen sind davon mittlerweile auch liberale Muslime, die für Reformen im Religionsverständnis plädieren. Alle kritischen Auffassungen gelten dann pauschal als Formen von „Islamophobie“ und „antimuslimischem Rassismus“, was auf eine Immunisierung gegenüber Kritik an Missständen hinausläuft. Und genau dies macht die Ausweitung des Rassismusverständnisses so problematisch, geht damit doch in mehrfacher Hinsicht ein Menschenrechtsrelativismus einher. Dazu sei daran erinnert, dass es sich um individuelle Rechte handelt, welche Diskriminierungsverbote wie Meinungsfreiheit einschließen. Und außerdem sind Menschenrechte kulturübergreifend und universalistisch. Demgegenüber heißt es, dass eine aufklärerischmenschenrechtliche Islamkritik für eine Position stehe, „die ihre eigene Zugehörigkeit als überlegen setzt“ (Iman Attia). Diese Denkweise läuft darauf hinaus, die Berufung auf Menschenrechte selbstunter Rassismusverdacht zu stellen. Und so erklären sich auch die Gleichsetzungen, die bezogen auf Frauenrechtlerinnen und Religionskritiker mit Muslimenfeinden und Rechtsextremisten vorgenommen werden. Die Folge davon ist, dass gegenüber den gemeinten Gruppen und Kulturen menschenrechtliche Probleme nicht mehr angesprochen werden können. Denn die kritisierten Erscheinungsformen gelten als den Kollektiven eigene Wertvorstellungen.“
(Der Link zum vollständigen Artikel)
https://www.hagalil.com/2020/05/menschenrechtsrelativismus/?fbclid=IwAR0ROy7Jsq0HfwLFpnsohfnvLAibYMWpME_bV9jR4Wg39EKpMflgSQFEw


   Zusammenfassend kann ich sagen, dass sowohl Herr Kermanshahi als auch ich Kulturrelativismus nicht deshalb ablehnen, weil wir die Kulturen der westlichen Welt als „höherwertig“ im Vergleich zu allen anderen ansehen, sondern weil wir annehmen, dass mit dieser Haltung eine Relativierung der Menschenrechte einhergeht. Bei der Betrachtung von Kulturen/Traditionen oder Gesellschaftssystemen sollte man sich immer die Frage stellen, welchen Stellenwert Freiheits- und Menschenrechte haben. Das bedeutet, alle Kulturen oder Traditionen, die die universelle Gültigkeit der Menschenrechte in Teilen oder in Gänze ablehnen, können nicht gleichberechtigt neben jenen Kulturen stehen, die sich im Wesentlichen auf Freiheits- und Menschenrechte gründen. Gerade als Deutsche fühle ich mich im Angesicht unserer Geschichte verpflichtet, diese Rechte gegen alle Angriffe zu verteidigen.

Nun hoffe ich, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe, dieses Missverständnis
auszuräumen.

Sollten Sie an einem weiterführenden Austausch Interesse haben, stehe ich Ihnen gerne
jederzeit zur Verfügung.
Herzliche Grüße,
Marion Minks

 pa/pg

 


Freitag, 03.07.2020
 
Das leerstehende ehemalige Gebäude der Uni wurde am Abend geräumt
Schwarz gekleidete, vermummte Gruppen führten die Besetzung fort:
besetzung_02_07_2020 besetzung02_07_2020Besetzung02_07_2020 Besetzung02_07_2020
 pg

Donnerstag, 02.07.2020
 
Bild könnte enthalten: Himmel, Baum, Pflanze, Wolken, im Freien und Natur
Foto: facebook / unfug e.V.
 
Wohnprojekt Unfug geräumt

   Seit dem heutigen Tag darf das Wohnprojekt Unfug in Kaltenmoor ihre Bauwagen nicht mehr zu Wohnzwecken verwenden. 6 Erwachsene und 2 Babies haben dadurch ihr zu Hause verloren. Diese Menschen haben nun keinen Ort mehr um ein gemeinschaftliches und solidarisches Leben zu erproben und dem Ausverkauf der Stadt etwas entgegen zu setzen.
Quelle: https://unfug-lg.de/2020/07/sowas-kommt-von-sowas-hausbesetzung-in-lueneburg/ 02.07.2020

Dafür:

Bild
Foto Rudy Bartels
 
Das leerstehende Haus in der Willy-Brandt -Straße in Lüneburg besetzt

   Heute am 1.7. 2020 haben wir das leerstehende Haus in der Willy-Brandt -Straße in Lüneburg besetzt. Es soll von nun an als Wohn- und Kulturprojekt genutzt werden. Mit der Aktion stellen wir dar, dass die Wohnpolitik der Stadt Lüneburg unter Oberbürgermeister Mädge nicht mehr toleriert wird. Die Stadt Lüneburg rühmt sich mit ihrem Wohnungsbauprogramm „Zwo21“ und will nach eigener Aussage damit genügend Wohnraum für alle Menschen in dieser Stadt schaffen. Es entstehen jedoch nur Eigentumswohnungen, luxuriöse Mietwohnungen und ein verschwindend geringer Anteil an Sozialwohnungen. Nach dem Willen der Stadtverwaltung und des Stadtrats soll die Stadt nur jenen Menschen zugänglich sein, die genügend Kapital besitzen. Wer das nicht hat, wird aus der Stadt verdrängt.

Aus der Pressemitteilung von "unfug"
 
Links:  Unfug         |            Unfug auf Twitter
 
Bis kurz vor 13:00 Uhr scheint alles entspannt
 
2020_07_02_Besetzung_PH_unfug 2020_07_02_Besetzung_PH_unfug
 
 
2020_07_02_Besetzung_PH_unfug    2020_07_02_Besetzung_PH_unfug
 
 2020_07_02_Besetzung_PH_unfug
 
 
2020_07_02_Besetzung_PH_unfug
 
 pg

Samstag, 23.05.2020
Gemeinnützigkeit:  "Anschnauzer des Tages"

   Unter diesem Titel kommentiert Arnold Schölzel in der "Jungen Welt" die Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit der VVN-BdA.
Hier den Artikel der Jungen Welt lesen:
                                                       Zum Onlineartikel der Jungen Welt

 

   Die Vorabantwort des Ministeriums vom DIP (Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentarische Vorgänge) herunterladen und lesen:
                                                                  Zum PDF-Download vom DIP

pg


Dienstag, 19.05.2020

Transparent

Eine Einschätzung zu den Ansammlungen von
Verschwörungsideologen, Wissenschaftsleugnern, Hooligans, Neonazis, Identitären, Evangelikalen, Impfgegnern, Esoterikern und Reichsbürgern
   Gegen verschwörungsideologische Massenversammlungen!

   Seit einigen Wochen tummelt sich eine Mischung aus Verschwörungsideologen, Wissenschaftsleugnern, Hooligans, Neonazis, Identitären, Evangelikalen, Impfgegnern, Esoterikern und Reichsbürgern im gesamten Bundesgebiet auf den Plätzen und Straßen, um gegen die Einschränkungen demokratischer Grundrechte im Zuge der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zu protestieren.
   Organisiert werden diese von der Initiative „Querdenken 711“, verantwortet vom Unternehmer Michael Ballweg, von der angeblichen Partei „Widerstand 2020“, der pseudolinken „Kommunikationsstelle demokratischer Widerstand“, aber auch von Organisationsgliederungen der AfD.
 
Den ganzen Text weiterlesen auf VVN-BdA.de
pg

Freitag, 08.05.2020

8. Mai 2020 - 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus
  
Viele Lüneburger*innen folgten schon am frühen Vormittag unserem Aufruf:
 
"Legt Blumen an den Gräbern der Opfer des Nationalsozialismus nieder!"
 
Hier auf dem Michaelisfriedhof am Grab von Sinaida Merk
 
wegweiser grabtafel
 
 
hinweistafel
 
 
Wolfgang Mirosch Adendorf
 
 
  Gedenktafel Wolfgang Mirosch          Gedenktafel Wolfgang Mirosch
 
   Gedenktafel Wolfgang Mirosch      Stolperstein Wolfgang Mirosch
 
 
 Wilhelm Wiese Adendorf
 
  Gedenktafel   Stolperstein Wilhelm Wiese Adendorf
 
 
 Psychiatrische Klinik Lüneburg
 
   Stolpersteine    infoglas
 
 
  Lüneburg Innenstadt
 
     
  
 
 
     
 
 
 
   Zentralfriedhof
 
   Zentralfriedhof Lueneburg Informationstafel   Zentralfriedhof Lueneburg Grab
 
 
   Zentralfriedhof Lueneburg Informationstafel   Gräberreihe
  
 
Zentralfriedhof Lueneburg Gräberreihe
 
   Zentralfriedhof Lueneburg Grabplatte   Grabplatten für Zwangsarbeiter
 
      
 
    Grabplatten für Zwangsarbeiter     Grabplatte
 
 
   Nordwestfriedhof
 
   Gedenkstein    Grabplatte
 
Grabplatte
 
 
 
 
   Lindenstraße
   Am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus gab es Informationsmaterial vom Netzwerk gegen Rechts und
   vonder VVN-BdA-Lüneburg. Es fand großen Zuspruch. Viele Blumen wurden niedergelegt.
 
   
  
  
 
  
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Ehrenfriedhof – Opfer der KZ-Häftlingstransporte 1945
 
 Ehrenfriedhof – Opfer der KZ-Häftlingstransporte 1945 Ehrenfriedhof – Opfer der KZ-Häftlingstransporte 1945
 
 Ehrenfriedhof – Opfer der KZ-Häftlingstransporte 1945 Ehrenfriedhof – Opfer der KZ-Häftlingstransporte 1945
 
 
   Ehrenfriedhof – Opfer der KZ-Häftlingstransporte 1945 Erläuterungen werden gegebenn
 
 
 
 
 
Donnerstag, 05.07.2020
 

Aufruf zum Tag der Befreiung


Plakat Esther Bejarano

                    

Befreiung – Was sonst!

Wir fordern zusammen mit
Esther Bejarano einen bundesweiten Feiertag am 8. Mai.

Hier geht es zur Petition:    

https://www.change.org/8Mai

 

Mittwoch, 06.05.2020
Radiosendung der VVN-BdA zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus
 
 Die Berliner VVN-BdA hat Kontakt zu uns aufgenommen, mit der Bitte, dass wir uns an einer von ihnen produzierten Radiosendung beteiligen. Die Sendung wurde als als Alternative zu der eigentlich geplanten Feier am 9. Mai im Treptower Park zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschsimus hergestellt.
Radio ZuSa hat dafür folgende Sendetermine vorgesehen:   9.Mai 10-11Uhr und am 10.Mai 12-13Uhr
 
Vorab ist die ganze Sendung hier zu hören:
 
 
 
 
Ausschließlich der Lüneburger Beitrag ist hier zu hören
 
 
 pg

Sonntag, 03.05.2020

Der 1. Mai im Netz, doch so ging es auch:

 

 Kundgebung zum 1. Mai  Transparent

 Auch in der aktuellen Situation darf das nicht in Vergessenheit geraten

pg


Freitag, 01.05.2020

DGB Slogan 1.Mai 2020

 

 

Livestream 1. Mai 2020

Das Programm: Künstlerinnen und Künstler


Montag, 27.04.2020

Maiaufrufe

                      Aufruf DGB Lüneburg                             Aufruf VVN-BdA-Lüneburg
                                                              vergrößern                                                                                                 vergrößern

pg


Mittwoch, 22.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum - 1956 bis 2020

Ehrenfriedhof Sicht auf die Stelen Stelen Gestecke Musiker*innen Besucheri*nnen   
       28.06.2018                  09.11.2019                         09.11.2019                        17.11.2019                  17.11.2019

Die Zivilgesellschaft sorgt seit den 1970er Jahren dafür, dass die Begräbnisstätte wieder einen würdigen Charakter erhält

   Ein Neubeginn der Debatte um den KZ-Friedhof setzte in den 1970er Jahren ein mit Ende der gesellschaftlichen Restaurationsphase, der Überwindung der personellen NS-Altlasten und der neuen Ostpolitik der Bundesregierung, die auf „Versöhnung mit dem Osten“ setzte. Nun hatte auch das Verbot der VVN keinen Bestand mehr und ein neuer antifaschistischer Aufbruch ermöglichte vor allem der jungen Generation erstmals einen relativ unverklärten Blick auf die faschistische Vergangenheit. Seither erinnert – bis heute – die Lüneburger VVN an diesem Ort mit Veranstaltungen an die Wehrmachts- und SS-Mordtaten, gedenkt der toten KZ-Häftlinge und ruft zur politischen Wachsamkeit auf.

   In den 1980er-Jahren entwickelte sich auch in Lüneburg eine neue Friedensbewegung, die in ihrem Kampf gegen die Stationierung von Atomwaffen (Pershing II) auf die Erfahrungen von Krieg und Faschismus Bezug nahm, deren Ostermärsche auch zum KZ-Friedhof führten. Es entstanden Initiativen wie die Geschichtswerkstatt Lüneburg, die eine erste wissenschaftliche Arbeit über „Kriegsverbrechen in Lüneburg – Das Massengrab im Tiergarten“ veröffentlichte. Die „Amicale Internationale KZ Neuengamme“, ein Verband der Angehörigen der Neuengammer KZ-Häftlinge, führte ab 1987 ihre Perelinage (Pilgerfahrten) auch nach Lüneburg zu den Gräbern ihrer Verwandten und Freunde. Parteien und viele Verbände, der Gewerkschaftsbund sowie zivilgesellschaftliche Vereinigungen besuchten die Gedenkveranstaltungen am KZ-Friedhof, Schulinitiativen beschäftigten sich mit den Morden an den KZ-Häftlingen (z.B. unter Schulpastor Zabel vom Gymnasium Oedeme), ab Mai 2000 übernahmen die Patienten der benachbarte Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch die Betreuung der Grabstelle bis zur Auflösung dieser Einrichtung 2012.

   Einen erneuten Anlauf zur Rekonstruktion des Friedhofs startete die Lüneburger VVN-BdA Anfang der 2010er-Jahre, der zunächst auf wenig Resonanz stieß. Aber die öffentliche Debatte in der Tagespresse, Recherchearbeiten einzelner Lüneburger (M. Messer, H.-J. Brennecke), Beschwerden des jüdischen Überlebenden des KZ-Zuges, Dr. Ariel Koretz aus Israel, der Hinweis des VdK, der Friedhof entspräche in seiner Anonymität nicht den gesetzlichen Vorschriften und die Veröffentlichung einer Schrift der VVN-BdA über die Geschichte des Friedhofs führten zu einem Umdenken bei Verwaltung und Politik der Stadt Lüneburg. Das städtische Bauamt nahm sich des Themas der Umgestaltung des Friedhofs an und nach sehr langen Diskussionen und dem Überwinden vieler Widerstände konnte eine Neu-Konzeption gefunden werden, die diese Begräbnisstätte heute als würdigen Gedenk- und zugleich als Lernort ausweist.

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

 Verschiedene Fotodokumentationen zeigen den Weg zur Neugestaltung der Friedhofsanlage

2018_06_11_tiergarten | 2018_06_28_tiergarten | 2018_07_18_tiergarten | 2018_10_25_tiergarten |

2019_11_10_tiergarten

Die VVN-BdA-Lüneburg weit den neugestalteten Ehrenfriedhof am 17.11.2019 mit einer würdigen Feier ein.

Hier den Bericht lesen


Sonntag, 19.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum - 1947 bis 1956

Foto Gedenken auf dem KZ-Friedhof 
1947

Im Auftrag der Stadt und der Bez.Reg. wird der KZ-Friedhof 1954 geschändet

Die Altnazis Lange (Stadtgarteninspektor) und Rössner (Stadtgartenmeister) nehmen dem Friedhof den Geist des Symbols gegen Faschismus.


Die Zerstörung des Friedhofscharakters im Kalten Krieg
   Nach 1945 arbeiteten Lüneburger Behörden und Opferverbände zunächst eng zusammen und führten auf dem KZ-Friedhof gemeinsam antifaschistische Gedenkveranstaltungen durch. Diese Kooperation zerbrach aber ab 1948 angesichts des Kalten Krieges mit der Teilung Deutschlands und der Konfrontation zwischen West- und Ostblock.  In der Bun-desrepublik wurde der Antifaschismus abgelöst von einem extremen Antikommunismus. Kommunisten wurden als „Staatsfeinde“ verfolgt und bestraft, ihre Partei KPD und weitere Organisationen verboten.

   Mit dem Feindbild „Kommunismus“ wurden damals auch viele Opfer der Nazi-Verfolgung belegt. Die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) war zeitweilig verboten, weil sie „kommunistisch infiltriert“ sei. 


   Auch in Lüneburg gelangten zu der Zeit viele frühere Nazis wieder in Amt und Würden. Sie bemühten sich, die Verbrechen des Faschismus zu verharmlosen oder vergessen zu machen. Nazi- Verfolgte, denen die Erinnerung daran wichtiges Anliegen war, wurden oft als „Verräter“ oder sogar „Staatsfeinde“ betrachtet und bekämpft.


   Vor diesem Hintergrund kündigte die Stadt ab 1950 die gemeinsamen Gedenkveranstaltungen mit den Opferverbänden auf. Schon 1948 hatten Stadtrat und Bauamt die Bitte vom „Komitee ehemaliger politischer Häftlinge“ um ein Denkmal auf dem Friedhof abgelehnt. Mit der Statue eines knienden Häftlings sollte es an die Erschießungen der Häftlinge in Lüneburg erinnern.


   Stattdessen erstellte die Stadt Lüneburg ein eigenes Denkmal aus 3 Steinblöcken. Bei dessen Einweihung im Dezember 1951 kam es zum Eklat: Stadtrat und Stadtverwaltung begingen die Gedenkfeier unter sich – unter Ausschluss der Nazi-Verfolgten. Als diese kurz darauf ebenfalls eine Einweihungsfeier abhalten wollten, wurde ihnen das verboten; trotzdem versammelte Antifaschist*innen wurden mit Polizeigewalt am Gedenken auf dem Friedhof gehindert. Eine außerdem eingeleitete Strafverfolgung musste die Staatsanwaltschaft nach einem halben Jahr ergebnislos einstellen.

   Während Stadt und Bezirksregierung 1954 auf dem Lüneburger Zentralfriedhof mit viel Aufwand Ehrengräber für tote Wehrmachtssoldaten anlegten, veranlassten sie im selben Jahr eine „Instandsetzung“ des KZ-Friedhofes, die tatsächlich eine Zerstörung seines bisherigen Charakters bedeutete: Die einzelnen Grabkreuze wurden entfernt, die Einzelgräber planiert. Bewusst verzichtete man auf Einfassungen der Grabreihen und Grabnummernsteine.  Protest von Opferverbänden gegen diese Missachtung der Toten blieb ungehört.

   Auch ihr Denkmal von 1951 ließ die Stadt 1954 wieder demontieren. Zwei Stelen mit Davidstern und Kreuz dienen seitdem als Pfosten am Eingang. Der ursprünglich waagerecht darauf gelegte Block liegt seitdem herabgesetzt in der Verlängerung des Mittelgangs. 1956 bekam er die unzutreffende Inschrift:
 „Hier starben am 7. 4. 1945  256 KZ-Häftlinge“.
 

   Damit war jeder Hinweis auf die einzelnen Toten abgeräumt worden und die ganze Anlage kaum noch als ein Friedhof zu erkennen. Sie blieb im Wesentlichen in dieser Form bis 2019 bestehen.

 

Friedhof 1951
1951

Friedhof 1955

 1955

Fotos : "Vom KZ-Friedhof zum Rhododendron-Park", VVN-BdA-Lüneburg 12/2016

VVN-BdA-LG


Freitag, 17.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum - September / Oktober 1945

Der Lüneburger Stadtverwaltung gelingt es nicht die Massengräber zu verschweigen, um die Morde zu vertuschen

Der neue Friedhof für die getöteten Häftlinge
   Entgegen ausdrücklichem Befehl des Britischen Militärs verschwieg die Lüneburger Verwaltung die von ihr geschaffenen zwei Massengräber im Tiergarten. Als die britische Militärbehörde trotzdem davon erfuhr, ließ sie diese Massengräber im September 1945 öffnen – wozu sie auch Lüneburger Parteigänger des früheren Nazi-Regimes verpflichtete. Die 232 Toten wurden exhumiert, wo möglich identifiziert und am 3. Oktober 1945 auf einem neu angelegten Friedhof in der Nähe am heutigen Standort würdig beigesetzt.
  
Wenig später wurden dort noch 22 KZ-Häftlinge bestattet, die in den letzten Kriegstagen bei Elends-Transporten vom KZ Bergen-Belsen umgekommen waren. Schließlich wurden dorthin noch zwei in Lüneburg erschossene Zwangsarbeiter überführt.
   Im Herbst 1945 waren somit 256 Nazi-Opfer auf dem neuen Friedhof im Tiergarten beigesetzt worden. Ihre Gräber waren in Reihen angeordnet, jedes Einzelgrab mit einem Holzkreuz versehen. An der Stirnseite überragte ein hohes Holzkreuz die Anlage.
   In der Folgezeit wollten viele Angehörige ihre Toten nach Hause holen. Deren genauer Liegeplatz auf dem Friedhof ließ sich aber oft nicht bestimmen. Deshalb veranlasste das französische Rote Kreuz im Mai 1951 die abermalige Exhumierung und Personenfeststellung aller Begrabenen. Das detaillierte Exhumierungsprotokoll ist bei „Arolsen Archives“ archiviert.  
   Aufgrund der Exhumierungen und Identifizierung konnten 89 Tote in ihre Heimatländer überführt werden. Die anderen Toten wurden wieder am Ort beigesetzt. Auf dem Friedhof im Tiergarten ruhen seitdem 167 Nazi-Opfer.

 

Foto Ursprüngliche Grabanlage Ende 1945

 Ursprüngliche Grabanlage Ende 1945;
Foto Zabel; Quelle: "Vom KZ-Friedhof zum Rhododendron-Park", VVN-BdA-Lüneburg 12/2016

 

VVN-BdA-LG


Mittwoch, 15.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum - August 1945

Die Hauptverantwortlichen werden vor Gericht gestellt - mit einem fragwürdigen Ergebnis

Der Prozess gegen die Täter
Im August 1945 führte die britische Militärjustiz im Lüneburger Landgericht einen Strafprozess gegen Tatbeteiligte am Lüneburg-Massaker.

Angeklagt waren:

 -Transportbegleiter SS Sturmmann Gustav Jepsen,
 - SS Hauptsturmführer Dr. Joachim Freitag, Leiter der Gestapo Lüneburg
 -Polizei Major Otto Müller, Leiter der örtlichen Schutz Polizei.

Die Marine-Soldaten hatten die Briten trotz intensiver Suche nicht finden können.
Obwohl ihn viele Zeugen schwer belasteten, kam Otto Müller mit vielen Lügen zum Erfolg: Am 28. 8. 1945 wurden er und Freitag freigesprochen, da nach Meinung des Gerichts beiden eine Beteiligung an den Morden nicht nachzuweisen sei. Die Verweigerung jeder Hilfe wertete das Gericht leidlich als schwere moralische Schuld.

 
Gustav Jepsen wurde der Erschießung von mindestens sechs Häftlingen für schuldig befunden und zu „lebenslänglich“ verurteilt. Das Gericht billigte ihm zu, möglicherweise „unter einer Art Zwang“ (durch den Transport-Kommandanten Engelmann) gehandelt zu haben. 1947 wurde er nach einem weiteren Verfahren hingerichtet wegen anderer Verbrechen im Wilhelmshavener KZ.

 

VVN-BdA-LG


Sonntag, 12.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum 7. bis 12. April 1945

 Die Tatorte

Karte Wilschenbruch - Tiergarten

10 Während des Aufent-halts am 14. bis 15.4.1945 wurden 11 während der Zugfahrt oder während des 22-stündigen Halts in Lüneburg Verstorbene am Fuße des westlichen Bahn-damms (70 m nördlich des Streckenkilometers 129 – nach der Totenliste des Josef Weiss, letzter Juden- ältester des KZ Bergen - Belsen) in drei Gräbern beigesetzt oder unbeer-digt zurückgelassen. Fünf Leichen wurden am 3.10. 45 (nachmittags) und 6 Leichen wurden am 9.10. 45 exhumiert und auf dem Gräberfeld im Tiergarten beigesetzt.
11 Streckenkilometer 129 12 Bahnstrecke Richtung Uelzen / Hannover
 

Archiv Manfred Messer; DGK Lüneburg; (Maßstab: ca. 1:7500) Forschungsstand: April 2014; Quelle: "Vom KZ-Friedhof zum Rhododendron-Park", VVN-BdA-Lüneburg 12/2016

Legende:
1 Bahnstrecke Richtung Bahnhof Lüneburg / Hamburg
2 Standort des KZ - Zuges aus dem KZ–Außenlager "Alter Banter Weg" in Wilhhelmshaven am 7.4. 1945
3 Lagerplatz der überlebenden Häftlinge (Dreieck) zwischen dem 7. und 11.4.1945.
4 Transportroute der 243 Häftlingsleichen aus dem KZ-Zug von Wilhelmsha-ven. Als Transportfahrzeug diente ein Trecker mit zwei Anhängern.
5 Streckenkilometer 129,5 (siehe unten Nr.5)
6 Ehemaliger beschrank-ter Bahnübergang und der Streckenposten 74.
7 Hier befanden sich die zwei unmarkierten Mas- sengräber mit den 243 Häftlingsleichen.
8 Heutige Kriegsgrä-berstätte im Tiergarten.
9 Auf dem dritten Rangiergleis befand sich zwischen dem 14. und 15.4.1945 der als "lost train/ transport oder Tröbitz-train oder auch verlorener Transport" bezeichnete Deporta-tionszug aus dem KZ Bergen - Belsen. Dort fuhr der Zug am 10.4.1945 ab. Insassen waren ca. 2.500 Juden aus dem Sternlager in Bergen-Belsen.

VVN-BdA-LG


Sonnabend, 11.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum 11. April 1945

Das Lüneburg-Massaker vom 11. April - Das Grauen nimmt kein Ende
   Nach 4 Tagen lebten nur noch etwa 80 Menschen des Häftlingstransportes  auf dem Feld. Diese völlig entkräfteten und wehrlosen Menschen wurden dort in der Nacht vom 11. auf den 12. April von den Bewachern erschossen oder erschlagen.

   Die Lüneburger Polizei ließ sie gleich am nächsten Morgen in einem zweiten Massengrab neben dem ersten verscharren.
Die Mörder hatten offenkundig keine Angst, wegen dieses Kriegsverbrechens vor Ort verhaftet zu werden. Sie setzten sich Richtung Hamburg ab.

   Sicher gab es einen kriminellen Handel zum „gegenseitigen Vorteil“ zwischen dem Obermaat und dem Lüneburger Polizeichef Otto Müller: Der eine liquidiert die Häftlinge - und der andere sagt dafür zu, dieses Verbrechen nicht zu ahnden. Beide hofften, die schon vorher begangenen Verbrechen des gesamten Elendstransportes und deren Opfer als Beweise vor den bald einrückenden Briten verbergen zu können.

   Mit dem Sanitäter Otto Hebestreit und dem LHD-Truppführer Ernst Cramm gab es jedoch auch Menschen, die versuchten Hilfe zu leisten. Letztlich wurden beide an weiterer Hilfeleistung gehindert, indem sie von Vorgesetzten abgewimmelt wurden oder gedroht wurde erschossen zu werden.

VVN-BdA-LG


Donnerstag, 09.04.2020

Erneut veröffentlichte die Landeszeitung einen Artikel voller Fehler zu den furchtbaren Taten vor 75 Jahren auf dem Lüneburger Güterbahnhof.

Im Folgenden wird diese peinliche Fehlleistung enthüllt.

"Bombenhagel traf KZ-Zug" LZ vom 7.4.2020
   Erstaunlich bis ärgerlich macht viele dieser Artikel mit diversen Fehlern, Auslassungen, falschen Zuordnungen und Beschönigungen. Und das, obwohl die LZ es besser weiß. Ist das Absicht, Ignoranz, Faulheit oder mangelhafte Journalistenpflicht? Und warum wird kein Verfasser genannt?

   Schon Überschrift und Unterüberschrift gehen an der Hauptsache vorbei. “Wehrmacht mordete am Bahnhof“ träfe den Inhalt wesentlich richtiger. Und der KZ-Friedhof ist wohl erwähnenswerter als der Gedenkstein mit der irreführenden und verharmlosenden Inschrift „Hier starben...“.

  
Wieder sind die KZ-Gefangenen „umgekommen“, ermordet wäre präzise. Sie waren die „Opfer“, also schließt der Leser: Bombenopfer. Und also waren eigentlich die Amerikaner Schuld. Alles völlige Verdrehung der Fakten. Wer Gefangene wie hier verhungern lässt oder in Güterwaggons einschließt bei zwei Stunden vorher angekündigtem Luftangriff, begeht das Verbrechen Mord, damals wie heute. Und am Ende wurden ca. 80 Überlebende, wehrlose Menschen von den Wachsoldaten auf dem Lüneburger Bahnhof erschossen oder erschlagen: Das war ebenfalls Mord der ach so sauberen Wehrmacht.

   
Und wieder wird der Mythos vom bösen SS-Mann präsentiert, der den “KZ-Transport leitet“. Falsch. Geleitet hat Obermaat Engelmann mit 17 weiteren Marinesoldaten den Transport sowie die Erschießung aller Überlebenden. Und durch unterlassene Hilfeleistung hat sich die gesamte Stadtverwaltung mitschuldig gemacht. Mord durch Unterlassung ist auch Mord. Das Lüneburger Militär rettete lebende Schweine und Lebensmittel aus einem anderen Güterzug, die KZGefangenen daneben ließ es elend sterben.

   Pastor Zabels Verdienste hierzu in allen Ehren, aber er hat nicht „wie kein anderer die Geschichte des KZ-Zugs er- forscht“. Die VVN hat sich seit 1947 um das Thema gekümmert. Die Geschichtswerkstatt hat 2000 dazu eine Broschüre veröffentlicht. Seit 9 Jahren weiß die LZ auch, dass Manfred Messer diesen Komplex neu erforscht. Inzwischen hat er vor 2 Jahren Dr. Dörte von Westernhagen 1400 Seiten Aktenkopien von damals übergeben, die das Thema jetzt zum Buchtext bearbeitet. Andere haben von den beiden die neu erforschten Fakten übernom-men. So hat die VVN in ihrer Broschüre zum KZ-Friedhof 2017 eine aktuelle Darstellung und 2019 ein Faltblatt dazu veröffentlicht.

Die LZ kennt das alles. Warum dann so ein miserabler Artikel?

bre


  In unserer Reihe "Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg - Ein unrühmliches Jubiläum ..." werden die Verbrechen, dem aktuellen, historischen Forschungsstand gemäß, geschildert.

Siehe unten und oben

pg


Mittwoch, 08.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum 8. bis 11. April 1945

Überlebende Häftlinge vegetieren vom 7. bis 11. April auf freiem Feld
Auch zivile und militärische Stellen der Stadt Lüneburg machen sich schuldig

  Nach dem Luftangriff trieben die Wachen die Überlebenden auf ein Landstück direkt neben den Gleisen. Dorthin mussten sie auch ihre getöteten und verletzten Kameraden schleppen. Es gab kein Wasser, keine Nahrung. Die bewachenden Marinesoldaten schossen auf jeden, der aufstehen wollte. Auch wer sich morgens nicht mehr bewegte, wurde erschossen.  130 Häftlinge wurden am 8. und 10.4 April mit LKWs in das Konzentrationslager Bergen-Belsen transportiert – die meisten kamen dort ums Leben.

  In Lüneburg ließen der Bürgermeister und die Polizeiführung die Toten in einem Massengrab im Waldgebiet Tiergarten – unweit vom jetzigen Friedhof – verscharren. Obwohl den offiziellen Lüneburger Stellen bekannt war, dass es immer noch Überlebenden gab, leisteten sie keinerlei Nothilfe (Versorgung in Lazaretten, im Krankenhaus, usw.) Im Gegenteil: LHD-Truppführer Ernst Cramm und Sanitäter Otto Hebestreit leisteten ersten Hilfe, obwohl sie zuvor von den Wachen mit Erschießen bedroht wurden, SS-Mann Jepsen wendete sich an Stadt, Polizei und Gestapo, er wurde abgewiesen. Falls jemand auf die Idee kam, den gequälten Menschen direkt zu helfen, wie der Landarbeiter Armeny Hembluck aus der Ukraine, wurde er mit Schusswaffe daran gehindert. So starben weitere Häftlinge durch Kälte, Hunger und Durst und ohne medizinische Hilfe.
VVN-BdA-LG

Dienstag, 07.04.2020
Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum 7. April 1945

7. April 1945 - Luftangriff auf den Güterbahnhof mit dem Häftlingszug

 Ab 13 Uhr gab es in Lüneburg mehrfach Fliegeralarm. Am Nachmittag, um 15.10 Uhr griffen die US-Bomber  den Bahnhof an. Noch immer stand der Zug mit den zusammengepferchten Menschen auf Gleis 32a auf dem Lüneburger Güterbahnhof. Die Häftlinge blieben im Zug eingesperrt. Die Türen der Häftlingswaggons waren nur von außen zu öffnen. Die meisten Männer der Wachen brachten sich im Wald in Sicherheit. Ein Brennstofftank auf  dem Nebengleis erhielt einen Bombentreffer. Der Tank explodierte, so dass dieser Nahtreffer auch auf den Zug mit den eingesperrten Häftlingen eine verheerende Wirkung hatte. Über die eingeschlossenen Häftlinge brach ein Inferno herein - 70 Menschen wurden getötet, viele verletzt. 20 gelang es, zu entkommen. Die Gestapo rief die Lüneburger auf, die Geflohenen einzufangen und zurückzubringen. Nur zwei Franzosen gelang die Flucht auf Dauer.

Für die übrigen noch lebenden Häftlinge begannen Tage des Grauens, die die meisten nicht überlebten.
VVN-BdA-LG

Samstag, 04.04.2020
Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum 4. April 1945

Waggon der Reichsbahn im Wandrahmpark Lüneburg
 Das leider immer noch unvollständige Denkmal im Wandrahmpark Lüneburg zeigt einen Waggon der Reichsbahn,
der den Originalen nahe kommt.
In Viehwaggons wurden die Menschen gepfercht.

Der Häftlingszug vom KZ Wilhelmshaven - sein Ende in Lüneburg

  April 1945: Britische Soldaten rückten in Norddeutschland vor. Das KZ-Nebenlager „Alter-Banter-Weg“ in Wilhelmshaven wurde deshalb am 3. April 1945 aufgelöst, die Häftlinge zum Todesmarsch ins Stammlager Neuengamme gezwungen. 390 „gehunfähige“ Lagerinsassen – darunter französische und belgische Widerstandskämpfer -  wurden in die Waggons eines Güterzuges gepfercht.
  Der Elendstransport fuhr am 4. April in Mariensiel / Wilhelmshaven ab. Er kam nur langsam voran. Obermaat Johann Engelmann kommandierte 18 Marinesoldaten als Bewachung der Häftlinge. Zusätzlich begleitete der SS-Angehörige Alfred Jepsen den Transport.  
  Nach 3 Tagen hielt der Zug, Samstag den 7. April, in Lüneburg am Güterbahnhof, Gleis 32a. Bis hierhin waren bereits 72 Häftlinge an den Transportbedingungen im Zug qualvoll gestorben.
 
Was weiter geschah demnächst auf dieser Seite
VVN-BdA-LG

 
Donnerstag, 02.04.2020
Der Ehrenvorsitzende der VVN-BdA feierte seinen 85. Geburtstag
Herzliche Glückwünsche
 
Heinrich Fink
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0608-014 / Grimm, Peer / CC-BY-SA 3.0

  1990 wurde Heinrich Fink zum Rektor der Humboldt-Universität (HU) gewählt. Wegen angeblicher Tätigkeit als  Inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit initiierte die "Gauck-Behörde" eine Kampagne gegen ihn. Schließlich entließ ihn der Berliner Wissenschaftssenator Manfred Erhardt (CDU) 1992. Die folgenden gerichtlichen Auseinandersetzungen führten auf grund zweifelhafter Beweise zur Bestätigung der Entlassung.

  "Wo immer es gilt, Faschisten und Rassisten in ihre Schranken zu weisen, wo immer es die Stimme gegen kapitalistische Ausbeutung und Krieg zu erheben gilt, ist Fink auch trotz seines hohen Alters aktiv. "
Das schreibt die Tageszeitung "junge Welt" über Heinrich Fink in einem Porträt zu seinem Geburtstag.

Den ganzen Artikel in der "jungen Welt" lesen

Über Heinrich Fink auf Wikipedia


 Update Montag, 30.03.2020Transparent

2019 vor Prozessbeginn: Die Solidaritätsgruppe macht deutlich, dass der Anlass für Ramadans Handel einrassistischer Angriff war

Vor dem Stein war ein rassistischer Angriff

Ramadan ist immer noch in Haft

  Die Verhandlungstage am 30. und 31. März fallen aus. Ob und wie es dann weiter geht ist wieder offen. Die bisher mögliche Unterbrechnungszeit der Hauptverhandlung von 3 Wochen ist gerade auf 3 Monate und 10 Tage verlängert worden. Das Gericht hat sich zu der geforderten Haftentlassung bisher nicht geäußert. Die Anwältinnen wollen da jetzt nachhaken, da das Betreuungspaket (Sozialarbeiterin, Wohnung, Therapie) ja immer noch steht. Sie sind zuversichtlich.

So verlief der erste Prozesstag am 05.03.2020

Am 05.03. begann um 09:45, mit einer Verspätung von 15 Minuten, der Prozess gegen unserem Freund Ramadan vor der 4. großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg.





Zum ganzen Bericht auf Solidarität mit Ramadan

So verlief der zweite Prozesstag am 17.03.2020

Am 17.03.2020 begann um 9:40 Uhr der zweite Prozesstag gegen Ramadan. Für die erste inhaltliche Verhandlung waren die Zeugin R. und der Zeuge M. geladen. Beide waren nicht anwesend. Der Zeuge M. wird derzeit per Haftbefehl gesucht und ist nicht auffindbar. Zudem erschienen weder der Nebenkläger P. noch die zwei Sachverständigen Saimeh und Anders.

Zum ganzen Bericht auf Solidarität mit Ramadan

Ältere Artikel zum Thema

pg

#CubaSalva(Kuba rettet)    
Humanistische Praxis der Revolution

Das hoch entwickelte Kubanische Gesundheitssystem bewährt sich auch während der Coronakrise. Medizinische Fachkräfte helfen in vielen Ländern.
 

Auch eine "Glosse" oder ein Kommentar darf Tatsachen nicht verfälschen

Wiederholt veröffentlichte unsere Lokalpresse Texte in Formaten wie "Kommentar" oder "Angespitzt", die ungläubiges Erstaunen hervorufen und deutlicher Richtigstellung bedürfen.

Weiterlesen


Samstag, 29.02.2020

 
Podium_Leuphana-Konferenzwoche
Podiumsdiskussion
Das Podium mit Finanzminister Scholz und Studierenden
Scholz kritisiert bedingungsloses Grundeinkommen als neoliberal, ja sogar als "wirtschaftsliberales Gewäsch"

 

 Finanzminister Olaf Scholz in der Leuphana

  Zum letzten Tag der Leuphana-Konferenzwoche "The Wealth of Europe" referierte Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) am 28. Februar vor dem vollbesetzten Audimax. Dort gab er sich betont sozial-demokratisch. Forderungen nach einem "bedingungslosen Grundeinkommen" kritisierte er als neoliberal, ja sogar als "wirtschaftsliberales Gewäsch" - und setzte dagegen Tariflöhne, die ein gutes Leben in Würde ermölglichten. Scholz´ Credo: Nur solidarische Gesellschaften könnten die gewaltigen Herausforderungen des ökologischen industriellen Umbaus meistern! Zur sozialen Wirklichkeit in Deutschland gehören für Scholz einerseits Niedrig-Löhne (!) - viele erhielten nicht den gesetzlichen Mindestlohn (!);  andererseits aber auch gute Sozialleistungen -  wie die aktuell von der Regierung beschlossene Grundrente, erhöhtes Kindergeld, Kinderfreibetrag, Wohngeld und Bafög.
  Aus dem Publikum musste Scholz sich u.a. fragen lassen, ob nicht gerade die SPD-"Agenda 2010"-Politik (Rentenabsenkung, Hartz IV, Spitzensteuer-Senkung...) die Spaltung der Gesellschaft befördert - und damit letztlich auch das Erstarken der AFD begünstigt habe? Scholz "widerlegte" diesen Zusammenhang mit einem verbalen Gegenangriff:  Wer rechte Gewalttaten mit einer schlechten sozialen Lage rechtfertige, liege "komplett falsch!" Diese "Rechtfertigung" hatte zwar niemand vorgenommen, aber Scholz konnte damit dem Kern der Frage ausweichen und zugleich Zustimmung ernten.  Der erstarkte Rassismus und seine Ursachen wurden damit bestenfalls indirekt gestreift.
  Ebenso blieb Scholz die Frage erspart, wie er als amtierender Finanzminister denn zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit z.B. von der VVN-BdA stehe?  Was unternimmt er, um die merkwürdigen Bestimmungen zu ändern, auf die sich einige Finanzverwaltungen bei ihrer Behinderung antifaschistischer und antirassistischer Arbeit berufen? Der Ehrenvorsitzenden der VVN-BdA Esther Bejanaro überreichte Scholz noch vor einigen Jahren als Bürgermeister Hamburgs das Bundesverdienstkreuz. Sie schrieb ihm zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit einen offenen Brief.

 

 Auditorium  Die In
 Das Auditorium der Leuphana war bei der Abschluß-veranstaltung der Konferenzwoche voll besetzt  Das die Klimafrage ein brennendes Problem ist, zeigten Aktivist*innen von Extinction Rebellion (XR) mit einem Die In
 pr/pg

Freitag, 28.02.2020

                     Ulrich Stuwe
                                              Auch diese Aussage ist einer der Gründe weshalb die VVN-BdA 
                                               im Bayrischen Verfassungsschutzbericht auftaucht

 

Bundessprecher der VVN-BdA in Lüneburg


  Unter dem Thema "Menschenrechte verteidigen- das soll nicht gemeinnützig sein?" sprach Ulrich Stuwe im Rahmen der Konferenzwoche der Leuphana-Universität. Gut 80 Studierende, unter ihnen auch einige Gäste, folgten dem Vortrag des Bundssprechers der VVN-BdA im gut gefüllten Seminarraum. Deutlich wurden die negativen Auswirkungen die die Abererkennung der Gemeinnützigkeit für viele Organisationen aktuell schon hat.
  Für die VVN-BdA zog er eine Linie, die Methode erkennen lässt. Die antifaschistische Arbeit unserer Organisation wurde von der Gründung 1947 an bis heute
versucht zu unterbinden, durch Einschränkungen, Behinderungen, Verbote durch staatliche Stellen oder politische Ausgrenzung. Da jedoch die Aberkennung der Gemeinnützigkeit unseres Bundesverbandes juristisch auf wackligen Füßen steht, gibt es die Hoffnung, dass sie zurückgeneommen werden muss. Allerdings gilt es, den öffentlichen Druck gegen die Entscheidung des Beriner Finanzamtes aufrecht zu erhalten.

 

 

       aufkleberaufkleberaufkleberaufkleberaufkleberaufkleberaufkleber

pg


Sonntag, 23.02.2020

TransparentTransparent

    Straßenaktionen zum Manöver Defender 2020


   Für den letzten Freitag rief die „Friedensaktion Lüneburger Heide und Gewerkschaftliche Initiative für aktive Friedenspolitik und Militär- und Rüstungskonversion in Niedersachsen“ zu Straßenaktionen zum Manöver Defender 2020 in Fallingbostel / Oerbke auf. Am Nachmittag fand eine Kundgebung in Fallingbostel statt.

  Etwa 30 TeilnehmerInnen trotzten dem ausgesprochen unangenehmen Wetter. Darunter auch eine Gruppe der VVN-BdA-Lüneburg. Vor der Einfahrt zur Bundeswehr zeigten die Friedensaktivist*innen „Flagge“, indem sie sich vor die Einfahrt stellen. Der Aufruf, auf dem schon seit Jahren auf vielen Friedensdemonstrationen gezeigten „Gernica“- Transparent der VVN-BdA-Lüneburg „Nie wieder!“, ist leider immer wieder und besonders jetzt aktuell. Die Polizei verlangte die unverzügliche Räumung der Einfahrt.

  Auf der anschließenden Kundgebung im Zentrum von Bad Fallingbostel wurde in verschiedenen Reden herausgestellt, wie das augenblickliche Vorgehen der NATO die Kriegsgefahr auch in Europa erhöht. Die mit dem Manöver „Defender 2020“ verbundene massive und provokante Truppenverlagerung an Russlands Ostgrenze kann nur als Kriegstreiberei bezeichnet werden.

 SchildTransparent

Hintergründe auf Telepolis

pg


Freitag, 22.02.2020

TransparentTransparent

Nicht nur Mahnminuten und Gedenken
Widerstand ist endlich geboten

 Naziterror stoppen! Alle gegen den Faschismus! So lassen sich die Appelle der Redner*innen auf der Kundgebung am Sande zusammenfassen. Gut 350 Menschen unterstützten gestern in Lüneburg diese Forderungen, der Kampf gegen Rechts und Faschismus darf nicht im stillen Gedenken stecken bleiben.

 Offensiv muss die Zivilgesellschaft gegen alle rechten Strukturen, innerhalb und außerhalb der Parlamente agieren. Dabei steht besonders auch die AfD als der parlamentarische Arm der Nazimörder im Zentrum der Aufmerksamkeit.

 

 MenschenmengeMenschenmenge

 pg


Donnerstag, 20.02.2020

Fahne Naziterror stoppen! Fahne
Alle gegen den Faschismus!


Kundgebung in Lüneburg:
Freitag, 21. Februar 2020, 18 Uhr
Platz Am Sande / vor der IHK

Es ruft auf: Lüneburger Netzwerk gegen Rechts

Am Abend des 19. Februar 2020 wurden in Hanau mehrere Menschen in zwei Shisha Bars erschossen. Der Täter veröffentlichte zu diesem Massaker ein 24-seitiges Bekennerschreiben, in dem er seine rassistische Motivation darlegte.

Wir trauern um die Mordopfer. Unser Mitgefühl ist bei den Angehörigen der Ermordeten, bei den Verletzten und allen, deren Leben durch Rassismus und rechten Terror bedroht ist.

Erst am 14. Februar 2020 fanden bundesweite Razzien gegen eine rechte Terrorstruktur statt. Eine der Durchsuchungen fand in Brockhöfe (Landkreis Uelzen) statt. Tony E. sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

In den letzten Jahren häufen sich rechte Anschläge und Morde, die von Rassist*innen und anderen Menschen aus dem neonazistischen, bzw. extrem rechten Spektrum begangen wurden. Am 9. Oktober 2019 wurden in Halle bei einem antisemitischen und rassistischen Anschlag zwei Menschen erschossen. 2. Juni 2019 wurde der CDU-Politiker Walter Lübcke erschossen.
Diese Taten ereignen sich im Zuge gesellschaftlicher Normalisierung und medialer Verharmlosung menschenverachtender Hetze, gegen Minderheiten und Andersdenkende. Wobei die AfD bundesweit mit ihren Netzwerken, AkteurInnen und Strukturen ein gesellschaftliches Klima, aus dem heraus EinzeltäterInnen und rassistische Gruppierungen sich berufen fühlen, im Sinne völkisch-nationalistischen Ideologie, den sogenannten "Volkswillen" umzusetzen. Hieraus entsteht eine Gemengelage von AkteurInnen, die nicht nur einzeln betrachtet werden dürfen. Sondern wie unabhängige Zellen, die mal mehr, mal weniger vernetzt an einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Dabei sind den Rassist*innen zunehmend jedes Mittel recht. Rechter Terror, von einer Drohung, über Brandanschläge bis zum Mord, muss als Gesamtangriff auf eine offene und vielfältige Gesellschaft verstanden werden.

Es gilt jetzt, den rassistischen Hetzern auf der Straße, dem rechten Mob im Internet und allen, die die rassistische Gewalt in Deutschland verharmlosen, entgegen zu treten. Es gilt den Opfern antisemitischer und rassistischer Gewalt und ihren Angehörigen zuzuhören und sich parteilich an ihre Seite zu stellen. Daher ist es umso wichtiger, dass wir unsere Empörung sichtbar machen und unsere Trauer und Wut auf die Straße bringen.


Freitag, 14.02.2020

Ein Rücktritt nach dem anderen
Aber Freude darüber???

 

   Als sie nicht mehr weiter konnten, folgten die Rücktritte: Erst der neue Ministerpräsident von Thüringen Kemmrich (FDP), dann die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer, jetzt der Lüneburger Kreistagsvorsitzende Dittmers (SPD): Alle hatten sich im Zusammenhang mit dem von der AfD eingefädelten Wahl-Coup vergaloppiert. “Hauptsache, der Linke ist weg- und wir sind dran!“ - darin waren sie sich zuerst alle einig. Die Rechnung ging nicht auf: Der öffentliche Protest gegen dieses Zusammenspiel mit der AFD zwang maßgebliche Beteiligte zum Rückzug.  Soweit, so gut.

   Positiv daran ist auch:  Kemmrich und Dittmers enthüllten ihre positive Einstellung zur AfD mit deren Nazis und Faschisten. Beide zeigten keine Probleme, als Steigbügelhalter der rechtsradikalen AfD zu fungieren. Das offenbarte ihre Nähe zu rechtem Gedankengut – beim SPD-Mann Dittmers nicht erst seit seinem Post "Hauptsache, der Linke ist weg."
Wie die Antifa Lüneburg Uelzen weiß, ist Rainer Dittmers auch in der Vergangenheit mit Beiträgen auf seiner Facebookseite als Rechtsaußen aufgefallen. Dort habe er rassistische Kommentare zur Flüchtlingspolitik und gegen Geflüchtete veröffentlicht oder rechte und extrem rechte Videos u.a. aus dem Compact-Magazin geteilt.
   
   Unvergessen ist auch die beispiellose Aktion im Adendorfer Gemeinderat (Vorsitzender damals: Rainer Dittmers): Im Dezember 2019 hatte die Ratsmehrheit erfolglos ihren Kollegen Markus Graff (Die Linke) mal eben zum Mandatsverzicht gedrängt. Zweifelhafter Anlass: Graff polemisierte gegen die Ablehnung der Namensgebung für die Grundschule nach dem früheren Mitschüler und Nazi-Opfer Wolfgang Mirosch. In diesem Zusammenhang hatte Graff der Ratsmehrheit vorgeworfen, keine Achtung vor der Vergangenheit zu haben. Diejenigen, denen Wolfgangs Name für die Schule nicht passte, wollten das nicht hören: „Hauptsache, der Linke ist weg!“  das war offenbar auch da schon die Devise.


   Wenn Politiker wie Dittmers ihre rechten Gesinnung selbst entlarven, ist das für die öffentliche Einschätzung nur positiv - niemand kann sich herausreden.
Keineswegs positiv ist allerdings, dass die AfD mit ihren Führern Höcke / Gauland feixt, wie leicht es Rechten gelingen kann, demokratische Verfahren lächerlich zu machen. Analog zu den Nazis in der Weimarer Republik versuchen Vertreter der AfD schon lange, demokratische Gremien und Abläufe nicht nur in Thüringen zu verhöhnen.

   Hoffentlich klären jetzt auch die Kommunalpolitiker*innen von CDU, FDP und SPD in unserer Region sehr fix ihr Verhältnis zu den Parlamentarier*innen der AFD vor Ort. Diese sind keine Vertreter*innen einer demokratischen Partei! Mit ihnen arbeitet man nicht „bürgerlich“ zusammen –  nicht im Kreistag oder im Stadtrat von Lüneburg - und auch nicht in den anderen Gemeinderäten!

pr/pg


Donnerstag, 06.02.2020
         Kemmerich tritt als Ministerpräsident zurück
Was sollte diese Posse?

  Mal wieder ein Versuch was möglich ist! Immer wieder wird versucht, Grenzen auszutesten und wenn möglich nach rechts zu verschieben. Wer glaubt, die Thüringer FDP-Abgeordneten seien unbewusst in AfD-Nähe geschliddert, ist mehr als naiv.
   Während ein AfD-Vertreter am Mittwoch noch grinsend vor der Kamera sinngemäß triumphierte: "Die Absprachen haben funktioniert!", behauptete Kemmerich, es habe keinerlei Absprachen gegeben. Lügen sind beiden zuzutrauen.
Diesmal ließ sich die Grenzverschiebung nicht durchsetzen.
Es gilt aber sehr wachsam zu bleiben, es wird nicht bei diesem Versuch bleiben.
pg

Mittwoch, 05.02.2020
FDP als Steigbügelhalter der Nazis
 
fahne
 
 Nach über 80 Jahren ebnen bürgerliche Parteien erneut Nazis den Weg
 
   CDU und FDP wählten in Erfurt einen Ministerpräsidenten von Gnaden der Höcke-AFD, den FDP-Abgeordneten Kemmerich. Der Faschist Björn/Bernd Höcke gratuliert seinem neuen Ministerpräsidenten. Ein Bild zu Gruseln hier in der Zeitung "Der Freitag"
pg

Der Redebeitrag der VVN-BdA-Lüneburg am 27.01.2020 zum internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust:
Abspielen Von vorne spielen Von vorne spielen Von vorne spielen
100% 75% 50% 25% 15%
Volume
Redebeitrag der VVN-BdA-Lueneburg
Player Status: aus
clearer
Mehr hören auf der Website der Falken Lüneburg

Dienstag, 28.01.2020
 
Transparent       Mahnmal Lindenstraße

Gedenkfeier am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus

Ein breites Bündnis von 13 Organisationen unterstützte die Gedenkfeier in der Lindenstraße

   Bei der großen Zahl von Gedenkveranstaltungen zur 75-jährigen Befreiung Auschwitz` hob sich die Gedenkfeier am 27. Januar in der Lüneburger Lindenstraße besonders hervor, die auf Initiative der Antifaschistischen Aktion Lüneburg/Uelzen durchgeführt wurde.

  Überwiegend junge bis sehr junge Lüneburger*innen, insgesamt etwa 200 Menschen, gedachten der Naziopfer mit einer würdigen Gedenkfeier. Es gab ein abwechslungsreiches Programm, gestaltet von verschiedenen Gruppen der Falken, von der VVN-BdA, vom Literaturbetrieb, von der Partei Die Linke, von der SCA und von einer Gruppe, die Gedichte von Ruth Klüger rezitierte.

Mahnmal Lindenstraße

   In vielen Beiträgen wurde die besondere Verantwortung Lüneburgs als ehemalige Gauhauptstadt betont, die Erinnerung an die Nazigräuel wachzuhalten. Ob die Verantwortlichen der Stadt dem nachkommen werden, wird sich unter anderem an den Ergebnissen des seit über einem Jahr tagenden „Arbeitskreis Erinnerungskultur“ der Stadt zeigen.

   Durch aufgestellte Kerzen und niedergelegte weiße Rosen fand die Veranstaltung in einer angemessenen, würdevollen Atmosphäre statt. Sie endete mit der Verlesung der Namen der Lüneburger Bürger*innen, von denen bekannt ist, dass sie in Auschwitz ermordet wurden.

 Mahnmal Lindenstraße  Transparent

pg

Donnerstag, 23.01.2020
Interview der VVN-BdA-Lüneburg mit der Bundestagsabgeordneten Petra Pau

Vor der Veranstaltung informierte uns Petra Pau über die aktuellen Erkenntnisse zum NSU Komplex und rechten Netzwerken in einem ausführlichen Interview.

 
 
pg

Mittwoch, 22.01.2020

          
                             
Christoph Podstawa moderiert den Abend mit Petra Pau

Riesiges Interesse an Petra Paus Vortrag zu rechten Netzwerken und den NSU-Ermittlungen

Gut hundert Lüneburger*innen informierten sich zu den Erkenntnissen des NSU-Ermittlungsausschusses

  Ein sehr anstrengendes Tagespensum hatte die Bundestagsabgeordnete der Partei "Die Linke" in Lüneburg schon hinter sich, als sie nach Interviewterminen bei der Lokalzeitung, bei den "Falken" und bei der VVN-BdA-Lüneburg im Glockenhaus tiefe und verstörende Einblicke in die bewussten und unbewussten Ermittlungsfehler sowie Vertuschungsversuche bei der Aufklärung der rechten Mordserie gab.
  Verstörend, weil völlig abwegig war, dass nicht auf Grundlage rassistischer Motive ermittelt wurde. - Zufällig als Gäste bei einer Besprechung anwesende Beamte des US-Amerikanischen FBI wiesen die deutsche Ermittlergruppe ausdrücklich daraufhin, dass die Morde ihrer Einschätzung nach eindeutig rassistisch motiviert seien. Die Einschätzumg der FBI-Beamten blieb unberücksichtigt.
   Verstörend, weil bewusst Beweismittel vernichtet, Akten geschreddert wurden.
Und vor allem verstörend, weil nunmehr deutliche Erkenntnisse vorhanden sind, dass der sogenannte NSU zu einem weit reichenden Netzwerk gehörte, das immer noch existiert. So gibt es Verbindungen zwischen V-Leuten des Verfassungsschutzes zu Mitgliedern der NSU-Bande und nach aktuellem Ermittlungsstand auch zum Mörder von Walter Lübcke.
  Petra Pau berichtete von viele weiteren Verquickungen rechter Straftäter, deren Strukturen mit V-Leuten des Verfassungsschutzes.
   Als Ursache für Fehleinschätzungen, Fehlentscheidungen und bewussten Missachtungen von Erkenntnissen im Zusammenhang mit NSU, aber auch mit aktuellen Ermittlungen gegen rechte Netzwerke, machte  Frau Pau den immer noch tief verwurzelten strukturellen Rassismus fest.

  Um in Zukunft solch skandalösen Vorkopmmnisse verhindern zu können sind die Hauptforderungen der "Linken", das Abschalten der V-Leute sowie das Paradigma "Quellenschutz vor Opferschutz" aufzugeben.

  Ermutigt zeigte sich Petra Pau, trotz dieser negativen Faktenlage von den vielen Menschen, die zu ihren Veranstaltungen zum Thema kämen, so auch in Lüneburg. Beispiele nannte sie von Orten, in denen sich zivilgesellschaftliche Gruppen über Parteigrenzen hinaus gegen Rassismus und rechte Einflüsse stellen.

Saal Glockenhaus

Teilweise war ungläubiges Raunen hörbar als Petra Pau von den "Versäumnissen" der Ermittlungsbehörden berichtete.

Petra Paus Vortrag ist auf "Freie-Radios.net" zu hören

Die Diskussion ist ebenfalls auf "Freie-Radios.net" zu hören

pg


Die Presseerklärung der Partei "Die Linke " zur Veranstaltung im Glockenhaus
PE

 


Dienstag, 21.01.2020
 Flyer Veranstaltung Petra Pau "Rechter Terror"  Flyer Veranstaltung Petra Pau "Rechter Terror"

Dienstag, 07.01.2020

Die Rache des kleinen (Nazi)Mannes

Gedenktafel für Hermann Reinmuth wurde zerstört

 Zerstörte Gedenktafel   Zerstörungswut

 

                  Hermann Reinmuth Mitte der zwanziger Jahre   
                                                     Foto Hermann Reinmuth 

"Reinmuth, Hermann, NS-Verfolgter, gestorben, Gefängnis Waldheim, KZ Sachsenhausen, Hochverrat, stellvertr. Landrat, Lüneburg

   Diesen dürftigen Hinweisen, zufällig entdeckt im Jahre 2002 im Internet unter "Gedenkbuch verfolgter Sozialdemokraten", schloss sich uns sofort die Frage an: "Wer war Hermann Reinmuth? Was hat er getan, das ihm der Vorwurf des Hochverrats gemacht wurde, wahrscheinlich in Lüneburg? Warum ist sein Name in Lüneburg völlig unbekannt?" Es gab eine Recherche, die ein Jahrzehnt andauern sollte.

Das Ergebnis dieser Recherche ist hier auf 44 Seiten nachzulesen:

Hermann Reinmuth

                                  Christ · Humanist · Gewerkschafter · Sozialist
  Versuch einer Annäherung an ein vergessenes Opfer des NS-Regimes

Eine Erinnerung an den Beamten der Lüneburger Bezirksregierung, Nazi-Widerständler und KZ-Häftling
Titelseite Hermann Reinmuth   November 2012 - PDF-Download (41,3 MB)

 

Möglichst schnell sollte der Gedenkort wieder hergestelllt werden und zwar deutlich aufwendiger ! Ein Beispiel kann die Tafel an der Teufelsbrücke sein:
               Schild            Schild

                             Schild

Zum Vergleich, das war die ursprüngliche Gedenktafel für Hermann Reinmuth:
                                                           

                                                                Schild

pg

 


Artikel und Berichte von 07/2019 bis 12/2019
Artikel und Berichte von 01/2019 bis 06/2019
Artikel und Berichte von 07/2018 bis 12/2018
Artikel und Berichte von 01/2018 bis 06/2018

 
 

 

Wie, du bist nicht bei whatsapp ????????


Täglich, 15:00 Uhr, Moria-Solidaritäts-Mahnwachen
Lüneburg, Marktplatz

Berichte, Radiobeitrag, Interviews sowie O-Töne von der Moria-Solidaritäts-Demo vor einer Woche, zu den nun täglich stattfindenden Moria-Solidaritäts-Mahnwachen finden sich auf der Website der

Falken-Nordostniedersachsen


logo_scala-kino

Unterstützung für unser Scala-Kino
   "Als unabhängiges Kulturunternehmen trifft uns die Schließung nicht nur emotional, sondern auch wirtschaftlich hart. Viele Existenzen sind mit unserem Kinobetrieb verbunden, neben unseren eigenen Mitarbeiter*innen trifft die Schließung zahllose Kulturschaffende in der Filmwirtschaft, Lieferanten, Partner und Nachbarn. Wir können nur hoffen, dass diese Krise schnell überstanden ist und wir bald wieder öffnen können." - Schreiben die Kinobetreiber*innen auf der Website.
DESHALB:
    Immer wieder konnten wir uns und andere politisch aktiven Gruppen aus Lüneburg sich in der Vergangenheit der Unterstützung des Scala-Kinos sicher sein. Das ganze Jahr über bot das Kino kontinuierlich Filme von höchster politischer und kultureller Brisanz. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Jetzt ist es Zeit, das Scala-Kino zu unterstützen. Das geht mit dem Kauf eines Gutscheins:
https://www.scala-kino.net/gutschein

pg


 

 
Plakat Esther Bejarano

Befreiung – Was sonst!
Wir fordern zusammen mit Esther Bejarano
einen bundesweiten Feiertag am 8. Mai.
Hier geht es zur Petition:    

https://www.change.org/8Mai


"Es ist nicht mehr fünf vor Zwölf, es ist Zwölf!"
Jugendliche verschärfen Gangart - Protest im Bundestag
Protestaktion im Bundestag
Zum Video der Rede auf Youtube
COURTIER - Jüngstes Gericht: (AUF!stand im Bundestag)
COURTIER - Jüngstes Gericht Rapper

Zum Musikvideo der Aktion auf Youtube


Demoschild 

Am 15. März wurde global in mehr als 50 Ländern gestreikt!

Das war der "friday for future" in Lüneburg, online auf der Website der Falken Lüneburg:

Hier geht´s zur Website


 Nazis fühlen sich augenscheinlich von einem ermordeten Sintijungen bedroht

Erneuter Anschlag auf die Grundschule Adendorf


 Seebrücke schafft sichere Häfen

Rettungsschiff Mittelmeer

 

Mach deine Stadt zum sicheren Hafen - Hier geht es  zur  Petition


Rechte Netzwerke in Bundeswehr, Polizei und Behörden

Die Zeitschrift Telepolis fasst die aktuelle Situation treffend zusammen und beschreibt ein bedrohliches Szenario:

Zum Artikel


Zur Arbeit der Planungsgruppe für die Diskussionen um die Lüneburger Gedenkkultur

Die Planungsgruppe wird geleitet von Frau Dr. Düselder. Die Mitglieder der Gruppe bereiten die inhaltliche, organisatorische und personelle Arbeit im Rahmen der Neuausrichtung der Lüneburger Gedenkkultur vor. Dabei hatte sich das Gremium u.a. auf den Historiker Johannes Heer als vortragenden Fachmann im sogenannten Symposium geeinigt. Herr Raykowski von der VVN-BdA wurde gebeten, ihn einzuladen. Nachdem J. Heer seine Teilnahme bestätigt hatte, wurde er von Frau Dr. Düselder ohne Rücksprache mit den Mitgliedern der Planungsgruppe mit nicht nachvollziehbaren Begründungen wieder ausgeladen. Im Folgenden veröffentlichen wir den Brief, den wir in diesem Zusammenhang an die Leiterin der Planungsgruppe geschrieben haben, um zu verdeutlichen, dass augenscheinlich die inhaltliche Diskussion zum Thema von vornherein in eine bestimmte Richtung gelenkt werden soll.

                                                                          zum Brief


     So lief das Bürgerforum zur Lüneburger Gedenkkultur

Im Rahmen des Organisationsformats "Worldcafé" diskutierten ungefähr 80 BürgerInnen zur Gedenkkultur in Lüneburg.

                          weiterlesen            Fotos


Kritik am neuen Text auf der Gedenktafel für die 110.ID in Lüneburg


Dazu Texte

von    VVN-BdA-Lüneburg

von    Dr. Gebhardt Weiss, ehemaliger
          deutscher Botschafter in Minsk


 

 

Powered by CMSimple | Template: ge-webdesign.de | Login

nach oben