Gunkel

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Mittwoch, 22.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum - 1956 bis 2020

Ehrenfriedhof Sicht auf die Stelen Stelen Gestecke Musiker*innen Besucheri*nnen
       28.06.2018                  09.11.2019                         09.11.2019                        17.11.2019                  17.11.2019

Die Zivilgesellschaft sorgt seit den 1970er Jahren dafür, dass die Begräbnisstätte wieder einen würdigen Charakter erhält

   Ein Neubeginn der Debatte um den KZ-Friedhof setzte in den 1970er Jahren ein mit Ende der gesellschaftlichen Restaurationsphase, der Überwindung der personellen NS-Altlasten und der neuen Ostpolitik der Bundesregierung, die auf „Versöhnung mit dem Osten“ setzte. Nun hatte auch das Verbot der VVN keinen Bestand mehr und ein neuer antifaschistischer Aufbruch ermöglichte vor allem der jungen Generation erstmals einen relativ unverklärten Blick auf die faschistische Vergangenheit. Seither erinnert – bis heute – die Lüneburger VVN an diesem Ort mit Veranstaltungen an die Wehrmachts- und SS-Mordtaten, gedenkt der toten KZ-Häftlinge und ruft zur politischen Wachsamkeit auf.

   In den 1980er-Jahren entwickelte sich auch in Lüneburg eine neue Friedensbewegung, die in ihrem Kampf gegen die Stationierung von Atomwaffen (Pershing II) auf die Erfahrungen von Krieg und Faschismus Bezug nahm, deren Ostermärsche auch zum KZ-Friedhof führten. Es entstanden Initiativen wie die Geschichtswerkstatt Lüneburg, die eine erste wissenschaftliche Arbeit über „Kriegsverbrechen in Lüneburg – Das Massengrab im Tiergarten“ veröffentlichte. Die „Amicale Internationale KZ Neuengamme“, ein Verband der Angehörigen der Neuengammer KZ-Häftlinge, führte ab 1987 ihre Perelinage (Pilgerfahrten) auch nach Lüneburg zu den Gräbern ihrer Verwandten und Freunde. Parteien und viele Verbände, der Gewerkschaftsbund sowie zivilgesellschaftliche Vereinigungen besuchten die Gedenkveranstaltungen am KZ-Friedhof, Schulinitiativen beschäftigten sich mit den Morden an den KZ-Häftlingen (z.B. unter Schulpastor Zabel vom Gymnasium Oedeme), ab Mai 2000 übernahmen die Patienten der benachbarte Therapeutischen Gemeinschaft Wilschenbruch die Betreuung der Grabstelle bis zur Auflösung dieser Einrichtung 2012.

   Einen erneuten Anlauf zur Rekonstruktion des Friedhofs startete die Lüneburger VVN-BdA Anfang der 2010er-Jahre, der zunächst auf wenig Resonanz stieß. Aber die öffentliche Debatte in der Tagespresse, Recherchearbeiten einzelner Lüneburger (M. Messer, H.-J. Brennecke), Beschwerden des jüdischen Überlebenden des KZ-Zuges, Dr. Ariel Koretz aus Israel, der Hinweis des VdK, der Friedhof entspräche in seiner Anonymität nicht den gesetzlichen Vorschriften und die Veröffentlichung einer Schrift der VVN-BdA über die Geschichte des Friedhofs führten zu einem Umdenken bei Verwaltung und Politik der Stadt Lüneburg. Das städtische Bauamt nahm sich des Themas der Umgestaltung des Friedhofs an und nach sehr langen Diskussionen und dem Überwinden vieler Widerstände konnte eine Neu-Konzeption gefunden werden, die diese Begräbnisstätte heute als würdigen Gedenk- und zugleich als Lernort ausweist.

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

 Verschiedene Fotodokumentationen zeigen den Weg zur Neugestaltung der Friedhofsanlage

2018_06_11_tiergarten | 2018_06_28_tiergarten | 2018_07_18_tiergarten | 2018_10_25_tiergarten |

2019_11_10_tiergarten

Die VVN-BdA-Lüneburg weit den neugestalteten Ehrenfriedhof am 17.11.2019 mit einer würdigen Feier ein.

Hier den Bericht lesen


Sonntag, 19.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum - 1947 bis 1956

Foto Gedenken auf dem KZ-Friedhof 
1947

Im Auftrag der Stadt und der Bez.Reg. wird der KZ-Friedhof 1954 geschändet

Die Altnazis Lange (Stadtgarteninspektor) und Rössner (Stadtgartenmeister) nehmen dem Friedhof den Geist des Symbols gegen Faschismus.


Die Zerstörung des Friedhofscharakters im Kalten Krieg
   Nach 1945 arbeiteten Lüneburger Behörden und Opferverbände zunächst eng zusammen und führten auf dem KZ-Friedhof gemeinsam antifaschistische Gedenkveranstaltungen durch. Diese Kooperation zerbrach aber ab 1948 angesichts des Kalten Krieges mit der Teilung Deutschlands und der Konfrontation zwischen West- und Ostblock.  In der Bun-desrepublik wurde der Antifaschismus abgelöst von einem extremen Antikommunismus. Kommunisten wurden als „Staatsfeinde“ verfolgt und bestraft, ihre Partei KPD und weitere Organisationen verboten.

   Mit dem Feindbild „Kommunismus“ wurden damals auch viele Opfer der Nazi-Verfolgung belegt. Die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) war zeitweilig verboten, weil sie „kommunistisch infiltriert“ sei. 


   Auch in Lüneburg gelangten zu der Zeit viele frühere Nazis wieder in Amt und Würden. Sie bemühten sich, die Verbrechen des Faschismus zu verharmlosen oder vergessen zu machen. Nazi- Verfolgte, denen die Erinnerung daran wichtiges Anliegen war, wurden oft als „Verräter“ oder sogar „Staatsfeinde“ betrachtet und bekämpft.


   Vor diesem Hintergrund kündigte die Stadt ab 1950 die gemeinsamen Gedenkveranstaltungen mit den Opferverbänden auf. Schon 1948 hatten Stadtrat und Bauamt die Bitte vom „Komitee ehemaliger politischer Häftlinge“ um ein Denkmal auf dem Friedhof abgelehnt. Mit der Statue eines knienden Häftlings sollte es an die Erschießungen der Häftlinge in Lüneburg erinnern.


   Stattdessen erstellte die Stadt Lüneburg ein eigenes Denkmal aus 3 Steinblöcken. Bei dessen Einweihung im Dezember 1951 kam es zum Eklat: Stadtrat und Stadtverwaltung begingen die Gedenkfeier unter sich – unter Ausschluss der Nazi-Verfolgten. Als diese kurz darauf ebenfalls eine Einweihungsfeier abhalten wollten, wurde ihnen das verboten; trotzdem versammelte Antifaschist*innen wurden mit Polizeigewalt am Gedenken auf dem Friedhof gehindert. Eine außerdem eingeleitete Strafverfolgung musste die Staatsanwaltschaft nach einem halben Jahr ergebnislos einstellen.

   Während Stadt und Bezirksregierung 1954 auf dem Lüneburger Zentralfriedhof mit viel Aufwand Ehrengräber für tote Wehrmachtssoldaten anlegten, veranlassten sie im selben Jahr eine „Instandsetzung“ des KZ-Friedhofes, die tatsächlich eine Zerstörung seines bisherigen Charakters bedeutete: Die einzelnen Grabkreuze wurden entfernt, die Einzelgräber planiert. Bewusst verzichtete man auf Einfassungen der Grabreihen und Grabnummernsteine.  Protest von Opferverbänden gegen diese Missachtung der Toten blieb ungehört.

   Auch ihr Denkmal von 1951 ließ die Stadt 1954 wieder demontieren. Zwei Stelen mit Davidstern und Kreuz dienen seitdem als Pfosten am Eingang. Der ursprünglich waagerecht darauf gelegte Block liegt seitdem herabgesetzt in der Verlängerung des Mittelgangs. 1956 bekam er die unzutreffende Inschrift:
 „Hier starben am 7. 4. 1945  256 KZ-Häftlinge“.
 

   Damit war jeder Hinweis auf die einzelnen Toten abgeräumt worden und die ganze Anlage kaum noch als ein Friedhof zu erkennen. Sie blieb im Wesentlichen in dieser Form bis 2019 bestehen.

 

Friedhof 1951
1951

Friedhof 1955

 1955

Fotos : "Vom KZ-Friedhof zum Rhododendron-Park", VVN-BdA-Lüneburg 12/2016

VVN-BdA-LG


Freitag, 17.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum - September / Oktober 1945

Der Lüneburger Stadtverwaltung gelingt es nicht die Massengräber zu verschweigen, um die Morde zu vertuschen

Der neue Friedhof für die getöteten Häftlinge
   Entgegen ausdrücklichem Befehl des Britischen Militärs verschwieg die Lüneburger Verwaltung die von ihr geschaffenen zwei Massengräber im Tiergarten. Als die britische Militärbehörde trotzdem davon erfuhr, ließ sie diese Massengräber im September 1945 öffnen – wozu sie auch Lüneburger Parteigänger des früheren Nazi-Regimes verpflichtete. Die 232 Toten wurden exhumiert, wo möglich identifiziert und am 3. Oktober 1945 auf einem neu angelegten Friedhof in der Nähe am heutigen Standort würdig beigesetzt.
  
Wenig später wurden dort noch 22 KZ-Häftlinge bestattet, die in den letzten Kriegstagen bei Elends-Transporten vom KZ Bergen-Belsen umgekommen waren. Schließlich wurden dorthin noch zwei in Lüneburg erschossene Zwangsarbeiter überführt.
   Im Herbst 1945 waren somit 256 Nazi-Opfer auf dem neuen Friedhof im Tiergarten beigesetzt worden. Ihre Gräber waren in Reihen angeordnet, jedes Einzelgrab mit einem Holzkreuz versehen. An der Stirnseite überragte ein hohes Holzkreuz die Anlage.
   In der Folgezeit wollten viele Angehörige ihre Toten nach Hause holen. Deren genauer Liegeplatz auf dem Friedhof ließ sich aber oft nicht bestimmen. Deshalb veranlasste das französische Rote Kreuz im Mai 1951 die abermalige Exhumierung und Personenfeststellung aller Begrabenen. Das detaillierte Exhumierungsprotokoll ist bei „Arolsen Archives“ archiviert.  
   Aufgrund der Exhumierungen und Identifizierung konnten 89 Tote in ihre Heimatländer überführt werden. Die anderen Toten wurden wieder am Ort beigesetzt. Auf dem Friedhof im Tiergarten ruhen seitdem 167 Nazi-Opfer.

 

Foto Ursprüngliche Grabanlage Ende 1945

 Ursprüngliche Grabanlage Ende 1945;
Foto Zabel; Quelle: "Vom KZ-Friedhof zum Rhododendron-Park", VVN-BdA-Lüneburg 12/2016

 

VVN-BdA-LG


Mittwoch, 15.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum - August 1945

Die Hauptverantwortlichen werden vor Gericht gestellt - mit einem fragwürdigen Ergebnis

Der Prozess gegen die Täter
Im August 1945 führte die britische Militärjustiz im Lüneburger Landgericht einen Strafprozess gegen Tatbeteiligte am Lüneburg-Massaker.

Angeklagt waren:

 -Transportbegleiter SS Sturmmann Gustav Jepsen,
 - SS Hauptsturmführer Dr. Joachim Freitag, Leiter der Gestapo Lüneburg
 -Polizei Major Otto Müller, Leiter der örtlichen Schutz Polizei.

Die Marine-Soldaten hatten die Briten trotz intensiver Suche nicht finden können.
Obwohl ihn viele Zeugen schwer belasteten, kam Otto Müller mit vielen Lügen zum Erfolg: Am 28. 8. 1945 wurden er und Freitag freigesprochen, da nach Meinung des Gerichts beiden eine Beteiligung an den Morden nicht nachzuweisen sei. Die Verweigerung jeder Hilfe wertete das Gericht leidlich als schwere moralische Schuld.

 
Gustav Jepsen wurde der Erschießung von mindestens sechs Häftlingen für schuldig befunden und zu „lebenslänglich“ verurteilt. Das Gericht billigte ihm zu, möglicherweise „unter einer Art Zwang“ (durch den Transport-Kommandanten Engelmann) gehandelt zu haben. 1947 wurde er nach einem weiteren Verfahren hingerichtet wegen anderer Verbrechen im Wilhelmshavener KZ.

 

VVN-BdA-LG


Sonntag, 12.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum 7. bis 12. April 1945

 Die Tatorte

Karte Wilschenbruch - Tiergarten

10 Während des Aufent-halts am 14. bis 15.4.1945 wurden 11 während der Zugfahrt oder während des 22-stündigen Halts in Lüneburg Verstorbene am Fuße des westlichen Bahn-damms (70 m nördlich des Streckenkilometers 129 – nach der Totenliste des Josef Weiss, letzter Juden- ältester des KZ Bergen - Belsen) in drei Gräbern beigesetzt oder unbeer-digt zurückgelassen. Fünf Leichen wurden am 3.10. 45 (nachmittags) und 6 Leichen wurden am 9.10. 45 exhumiert und auf dem Gräberfeld im Tiergarten beigesetzt.
11 Streckenkilometer 129 12 Bahnstrecke Richtung Uelzen / Hannover
 

Archiv Manfred Messer; DGK Lüneburg; (Maßstab: ca. 1:7500) Forschungsstand: April 2014; Quelle: "Vom KZ-Friedhof zum Rhododendron-Park", VVN-BdA-Lüneburg 12/2016

Legende:
1 Bahnstrecke Richtung Bahnhof Lüneburg / Hamburg
2 Standort des KZ - Zuges aus dem KZ–Außenlager "Alter Banter Weg" in Wilhhelmshaven am 7.4. 1945
3 Lagerplatz der überlebenden Häftlinge (Dreieck) zwischen dem 7. und 11.4.1945.
4 Transportroute der 243 Häftlingsleichen aus dem KZ-Zug von Wilhelmsha-ven. Als Transportfahrzeug diente ein Trecker mit zwei Anhängern.
5 Streckenkilometer 129,5 (siehe unten Nr.5)
6 Ehemaliger beschrank-ter Bahnübergang und der Streckenposten 74.
7 Hier befanden sich die zwei unmarkierten Mas- sengräber mit den 243 Häftlingsleichen.
8 Heutige Kriegsgrä-berstätte im Tiergarten.
9 Auf dem dritten Rangiergleis befand sich zwischen dem 14. und 15.4.1945 der als "lost train/ transport oder Tröbitz-train oder auch verlorener Transport" bezeichnete Deporta-tionszug aus dem KZ Bergen - Belsen. Dort fuhr der Zug am 10.4.1945 ab. Insassen waren ca. 2.500 Juden aus dem Sternlager in Bergen-Belsen.

VVN-BdA-LG


Sonnabend, 11.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum 11. April 1945

Das Lüneburg-Massaker vom 11. April - Das Grauen nimmt kein Ende
   Nach 4 Tagen lebten nur noch etwa 80 Menschen des Häftlingstransportes  auf dem Feld. Diese völlig entkräfteten und wehrlosen Menschen wurden dort in der Nacht vom 11. auf den 12. April von den Bewachern erschossen oder erschlagen.

   Die Lüneburger Polizei ließ sie gleich am nächsten Morgen in einem zweiten Massengrab neben dem ersten verscharren.
Die Mörder hatten offenkundig keine Angst, wegen dieses Kriegsverbrechens vor Ort verhaftet zu werden. Sie setzten sich Richtung Hamburg ab.

   Sicher gab es einen kriminellen Handel zum „gegenseitigen Vorteil“ zwischen dem Obermaat und dem Lüneburger Polizeichef Otto Müller: Der eine liquidiert die Häftlinge - und der andere sagt dafür zu, dieses Verbrechen nicht zu ahnden. Beide hofften, die schon vorher begangenen Verbrechen des gesamten Elendstransportes und deren Opfer als Beweise vor den bald einrückenden Briten verbergen zu können.

   Mit dem Sanitäter Otto Hebestreit und dem LHD-Truppführer Ernst Cramm gab es jedoch auch Menschen, die versuchten Hilfe zu leisten. Letztlich wurden beide an weiterer Hilfeleistung gehindert, indem sie von Vorgesetzten abgewimmelt wurden oder gedroht wurde erschossen zu werden.

VVN-BdA-LG


Donnerstag, 09.04.2020

Erneut veröffentlichte die Landeszeitung einen Artikel voller Fehler zu den furchtbaren Taten vor 75 Jahren auf dem Lüneburger Güterbahnhof.

Im Folgenden wird diese peinliche Fehlleistung enthüllt.

"Bombenhagel traf KZ-Zug" LZ vom 7.4.2020
   Erstaunlich bis ärgerlich macht viele dieser Artikel mit diversen Fehlern, Auslassungen, falschen Zuordnungen und Beschönigungen. Und das, obwohl die LZ es besser weiß. Ist das Absicht, Ignoranz, Faulheit oder mangelhafte Journalistenpflicht? Und warum wird kein Verfasser genannt?

   Schon Überschrift und Unterüberschrift gehen an der Hauptsache vorbei. “Wehrmacht mordete am Bahnhof“ träfe den Inhalt wesentlich richtiger. Und der KZ-Friedhof ist wohl erwähnenswerter als der Gedenkstein mit der irreführenden und verharmlosenden Inschrift „Hier starben...“.

  
Wieder sind die KZ-Gefangenen „umgekommen“, ermordet wäre präzise. Sie waren die „Opfer“, also schließt der Leser: Bombenopfer. Und also waren eigentlich die Amerikaner Schuld. Alles völlige Verdrehung der Fakten. Wer Gefangene wie hier verhungern lässt oder in Güterwaggons einschließt bei zwei Stunden vorher angekündigtem Luftangriff, begeht das Verbrechen Mord, damals wie heute. Und am Ende wurden ca. 80 Überlebende, wehrlose Menschen von den Wachsoldaten auf dem Lüneburger Bahnhof erschossen oder erschlagen: Das war ebenfalls Mord der ach so sauberen Wehrmacht.

   
Und wieder wird der Mythos vom bösen SS-Mann präsentiert, der den “KZ-Transport leitet“. Falsch. Geleitet hat Obermaat Engelmann mit 17 weiteren Marinesoldaten den Transport sowie die Erschießung aller Überlebenden. Und durch unterlassene Hilfeleistung hat sich die gesamte Stadtverwaltung mitschuldig gemacht. Mord durch Unterlassung ist auch Mord. Das Lüneburger Militär rettete lebende Schweine und Lebensmittel aus einem anderen Güterzug, die KZGefangenen daneben ließ es elend sterben.

   Pastor Zabels Verdienste hierzu in allen Ehren, aber er hat nicht „wie kein anderer die Geschichte des KZ-Zugs er- forscht“. Die VVN hat sich seit 1947 um das Thema gekümmert. Die Geschichtswerkstatt hat 2000 dazu eine Broschüre veröffentlicht. Seit 9 Jahren weiß die LZ auch, dass Manfred Messer diesen Komplex neu erforscht. Inzwischen hat er vor 2 Jahren Dr. Dörte von Westernhagen 1400 Seiten Aktenkopien von damals übergeben, die das Thema jetzt zum Buchtext bearbeitet. Andere haben von den beiden die neu erforschten Fakten übernom-men. So hat die VVN in ihrer Broschüre zum KZ-Friedhof 2017 eine aktuelle Darstellung und 2019 ein Faltblatt dazu veröffentlicht.

Die LZ kennt das alles. Warum dann so ein miserabler Artikel?

bre


  In unserer Reihe "Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg - Ein unrühmliches Jubiläum ..." werden die Verbrechen, dem aktuellen, historischen Forschungsstand gemäß, geschildert.

Siehe unten und oben

pg


Mittwoch, 08.04.2020

Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum 8. bis 11. April 1945

Überlebende Häftlinge vegetieren vom 7. bis 11. April auf freiem Feld
Auch zivile und militärische Stellen der Stadt Lüneburg machen sich schuldig

  Nach dem Luftangriff trieben die Wachen die Überlebenden auf ein Landstück direkt neben den Gleisen. Dorthin mussten sie auch ihre getöteten und verletzten Kameraden schleppen. Es gab kein Wasser, keine Nahrung. Die bewachenden Marinesoldaten schossen auf jeden, der aufstehen wollte. Auch wer sich morgens nicht mehr bewegte, wurde erschossen.  130 Häftlinge wurden am 8. und 10.4 April mit LKWs in das Konzentrationslager Bergen-Belsen transportiert – die meisten kamen dort ums Leben.

  In Lüneburg ließen der Bürgermeister und die Polizeiführung die Toten in einem Massengrab im Waldgebiet Tiergarten – unweit vom jetzigen Friedhof – verscharren. Obwohl den offiziellen Lüneburger Stellen bekannt war, dass es immer noch Überlebenden gab, leisteten sie keinerlei Nothilfe (Versorgung in Lazaretten, im Krankenhaus, usw.) Im Gegenteil: LHD-Truppführer Ernst Cramm und Sanitäter Otto Hebestreit leisteten ersten Hilfe, obwohl sie zuvor von den Wachen mit Erschießen bedroht wurden, SS-Mann Jepsen wendete sich an Stadt, Polizei und Gestapo, er wurde abgewiesen. Falls jemand auf die Idee kam, den gequälten Menschen direkt zu helfen, wie der Landarbeiter Armeny Hembluck aus der Ukraine, wurde er mit Schusswaffe daran gehindert. So starben weitere Häftlinge durch Kälte, Hunger und Durst und ohne medizinische Hilfe.
VVN-BdA-LG

Dienstag, 07.04.2020
Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum 7. April 1945

7. April 1945 - Luftangriff auf den Güterbahnhof mit dem Häftlingszug

 Ab 13 Uhr gab es in Lüneburg mehrfach Fliegeralarm. Am Nachmittag, um 15.10 Uhr griffen die US-Bomber  den Bahnhof an. Noch immer stand der Zug mit den zusammengepferchten Menschen auf Gleis 32a auf dem Lüneburger Güterbahnhof. Die Häftlinge blieben im Zug eingesperrt. Die Türen der Häftlingswaggons waren nur von außen zu öffnen. Die meisten Männer der Wachen brachten sich im Wald in Sicherheit. Ein Brennstofftank auf  dem Nebengleis erhielt einen Bombentreffer. Der Tank explodierte, so dass dieser Nahtreffer auch auf den Zug mit den eingesperrten Häftlingen eine verheerende Wirkung hatte. Über die eingeschlossenen Häftlinge brach ein Inferno herein - 70 Menschen wurden getötet, viele verletzt. 20 gelang es, zu entkommen. Die Gestapo rief die Lüneburger auf, die Geflohenen einzufangen und zurückzubringen. Nur zwei Franzosen gelang die Flucht auf Dauer.

Für die übrigen noch lebenden Häftlinge begannen Tage des Grauens, die die meisten nicht überlebten.
VVN-BdA-LG

Samstag, 04.04.2020
Es geschah vor 75 Jahren in Lüneburg
Ein unrühmliches Jubiläum 4. April 1945

Waggon der Reichsbahn im Wandrahmpark Lüneburg
 Das leider immer noch unvollständige Denkmal im Wandrahmpark Lüneburg zeigt einen Waggon der Reichsbahn,
der den Originalen nahe kommt.
In Viehwaggons wurden die Menschen gepfercht.

Der Häftlingszug vom KZ Wilhelmshaven - sein Ende in Lüneburg

  April 1945: Britische Soldaten rückten in Norddeutschland vor. Das KZ-Nebenlager „Alter-Banter-Weg“ in Wilhelmshaven wurde deshalb am 3. April 1945 aufgelöst, die Häftlinge zum Todesmarsch ins Stammlager Neuengamme gezwungen. 390 „gehunfähige“ Lagerinsassen – darunter französische und belgische Widerstandskämpfer -  wurden in die Waggons eines Güterzuges gepfercht.
  Der Elendstransport fuhr am 4. April in Mariensiel / Wilhelmshaven ab. Er kam nur langsam voran. Obermaat Johann Engelmann kommandierte 18 Marinesoldaten als Bewachung der Häftlinge. Zusätzlich begleitete der SS-Angehörige Alfred Jepsen den Transport.  
  Nach 3 Tagen hielt der Zug, Samstag den 7. April, in Lüneburg am Güterbahnhof, Gleis 32a. Bis hierhin waren bereits 72 Häftlinge an den Transportbedingungen im Zug qualvoll gestorben.
 
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