Zur Überschrift

Anstelle der quellenkritisch nicht begründbaren und insofern frei interpretierenden Formulierung „Denkmal für die Toten der 110. Infanterie-Division“ müsste diese Überschrift aus historischen, faktischen und rechtlichen Gründen im öffentlichen Raum in etwa so lauten: „Stein des Traditionsverbandes der ehemaligen 110.I.D. für ihre Gefallenen“. Eine solche Überschrift entspräche sowohl der damals sorgfältig bedachten Entscheidungsformulierung des Lüneburger Verwaltungsausschusses vom 06. September 1960 als auch der besonderen Zielgruppe des Gedenkens, die auf dem Stein mit dem Epigramm  -  „Es sage keiner, dass unsere Gefallenen tot sind“ - klar benannt wird. Die vielen anderen durch Verwundungen, Krankheiten, Fleckfieber, weitere Seuchen oder in Gefangenschaft elend umgekommenen sowie die vermissten Divisions-angehörigen wurden damals mit diesem heroisierenden Epigramm gerade nicht erfasst und dürfen textkritisch auch heute nicht in dieses Epigramm einfach hineingedacht bzw. hineininterpretiert werden.    

Der Verwaltungsausschuss wusste damals genau, was er in faktischer und rechtlicher Hinsicht tat. Er berücksichtigte mit seiner Formulierung zum „Traditionsverband“, dass die „ehemalige“ 110.I.D. seit Juli 1944 als Heeresverband nicht mehr existierte und seit dem Kontrollratsgesetz Nr. 34 vom 20. August 1946 auch in jeder Hinsicht rechtlich verboten war. Warum diese korrekte Linie bei der baulich-ästhetischen Genehmigung des Gedenksteins nicht konsequent beachtet wurde – denn das Epigramm ist ohne Einschränkung suggestiv mit „110.I.D.“ so unterschrieben, als ob dieser Heeresverband noch in irgendeiner Form existiere – bedarf einer Klärung.

 

Zum ersten Absatz

Gleich der erste Satz wirft wie der gesamte Text die Frage auf, an wen sich diese neue Informationstafel eigentlich richten soll. Sie dürfte bei nicht genügend mit historischem Informationshintergrund versehenen Zielgruppen, insbesondere aus der jüngeren Generation, mehr Fragen auslösen als korrekte Antworten vermitteln.

So ist nach dem Wortlaut offenbar ein nicht näher beschriebener „Veteranenverband“ (demgegenüber lautet die Selbstbezeichnung der Ehemaligen sowie die städtische Beschlussterminologie von 1960 „Traditionsverband“) im Jahre 1960 am Wallaufgang aufgetaucht und hat dort „das Denkmal für die 110. Infanterie-Division (I.D.) der deutschen Wehrmacht“ errichtet. Diese Formulierung setzt nicht nur einen anderen Akzent als die Überschrift (Betonung des Heeresverbandes als solchem statt der Toten dieses Heeresverbandes). Sondern sie ist auch quellenkritisch nicht korrekt und macht mit dem terminologisch gewillkürten Hinweis auf einen „Veteranenverband“ eine vermutlich unbedachte und insofern unbeabsichtigte historische Verbeugung vor rechtsnationalen Revisionsbestrebungen (siehe hierzu die kritische Skizze zum Problem „Traditionsverband oder Veteranenverband“ über diesen Link).

Vor allem dem jüngeren Betrachter stellen sich sofort Fragen: Was ist denn das für ein Verband? Wie konnten die denn hier so einfach diesen Stein hinstellen? Gab es Verbindungen zwischen diesem „Veteranenverband“ und der Stadt und seit wann? Was waren ggfs. die Hintergründe hierfür und warum werden sie nicht mit zwei kurzen Worten benannt? Hat es hierzu damals in Lüneburg eine Diskussion gegeben (worauf übrigens die sorgfältige Wortwahl vom 06.September 1960 hindeutet)?

Mit Blick auf den aufzuklärenden, d.h. historisch weniger informierten Betrachter bedarf der letzte Satz dieses Absatzes einer konzentrierten Überarbeitung, mit der die wichtigsten Zeiträume, Daten und Fakten in etwa wie folgt kurz zusammengefasst werden sollten: „Diese Division wurde bereits ab dem 10.Dezember 1940 im Raum Lüneburg für den zuvor schon länger von Hitler beschlossenen Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion aufgestellt (u.a. Hitlers Erlass nach dem erfolgreichen Westfeldzug vom 31.07.1940 für das Oberkommando der Wehrmacht), der dann am 22.Juni 1941 begann und für diesen Heeresverband mit seiner vollständigen Zerschlagung westlich von Minsk im Juli 1944 endete“.

 

Zum zweiten Absatz

Auch der zweite Absatz lässt einen historisch weniger informierten Betrachter mit seinen Fragen allein. Stattdessen wird er im ersten Satz zunächst belehrt, zum richtigen Verständnis des damaligen Vorgangs und dessen heutiger Wahr-nehmung von der Gebundenheit jeder Erinnerungskultur durch Zeit und Kontext auszugehen. Mit diesem axiomatischen Ansatz wird jedoch ein entscheidender Aspekt ausgeblendet, nämlich die hohe Wertegebundenheit bei denjenigen Fragen der Erinnerungskultur, die wegen ihrer grundlegenden Bedeutung von unverrückbarem Rang sind.

Damals wie heute ruhte und ruht derjenige  fundamentale Teil einer Erinnerungs-kultur, um den es im Zusammenhang der 110.I.D. in Lüneburg geht,  auf den unverrückbaren, d.h. gerade nicht durch Zeit oder Kontext veränderbaren Werten unseres Grundgesetzes. Denn unsere Verfassung war in jeder Hinsicht und von Anfang an bis heute eine umfassende gegenbildliche Antwort auf den nationalsozialistischen Missbrauch von Macht im Innern und nach außen. Mit ihrem strafrechtlichen Verbot der Vorbereitung und Durchführung eines Angriffskrieges bietet sie auch im Themenzusammenhang der 110.I.D. eine nicht durch Zeit und Kontext zu variierende ethische Leitlinie der Erinnerungskultur.

Diese ethische Leitlinie galt damals wie heute, jedoch wurde vor allem in der Nachkriegszeit gegen ihren Geist landesweit und nicht nur in Lüneburg massiv verstoßen. In diesem Zusammenhang ist die Erläuterung im zweiten Absatz zum „unreflektierten Umgang mit der NS-Vergangenheit“ ein nicht akzeptabler rhetorischer Weichmacher. Denn die nachkriegstypischen Manipulationen und Verdrängungen waren keine Mängel im Sinne von damals üblichen „Unreflektiertheiten“, sondern politisch beabsichtigte und aktiv praktizierte Verhaltensweisen. Der Eindruck einer Verdrängungsrhetorik zu Manipulationen und Verdrängungen jener Zeit darf – auch unbeabsichtigt - gar nicht erst aufkommen. Aus Verantwortung für die Weitergabe dieses Wissens an nachfolgende Generationen muss hierzu auf der Informationstafel mit klaren Worten gearbeitet werden.

Zu Recht verweist der Informationstext selbst auf einige Aspekte dieser angestrebten Weitergabe, erlaubt sich aber im letzten Satz des zweiten Absatzes zum umstrittenen „Stein des Anstoßes“ einige unnötige sprachliche Schwächen. So wäre statt des zu pessimistisch klingenden „….unverständlich für die nachfolgenden Generationen“ die positiv aufklärungsorientierte Alternative „….erklärungsbedürftig für die nachfolgenden Generationen“ zu bevorzugen. Denn die Informationstafel soll die Verständlichkeit durch adäquate Erklärung ja gerade bewirken. Im Übrigen ist der Stein nicht nur „verletzend“ für die „Nachfahren der Opfer“, sondern – notwendigerweise breiter zu formulieren - für die „Opfer (die ja teilweise noch leben!) und deren Nachfahren“. Darüber hinaus ist er – je nach Biographie und Erlebtem – in anderer Weise u.U. verletzend auch für Menschen, die nicht unmittelbar zu den Opfern und deren Nachfahren zählen, aber ihnen aus anderen Gründen nahestehen.

Besonders sorgfältiger Bearbeitung bedarf der pseudoempathische Hinweis, dass der „Stein des Anstoßes“ in seiner Aussage „schmerzhaft“ sei. Obwohl dies ein entscheidender Punkt der Diskussion ist, fehlt hierzu jede notwendige Erläuterung. Insbesondere jüngere Leute werden sich fragen: Was sind das für eigenartige Worte zu den nicht toten Gefallenen? Wo kommt so etwas her? Hat das was mit der Nazi-Vergangenheit und der damaligen Ideologie zu tun? Warum ist nur die Rede von Gefallenen und nicht auch von anderen Opfern dieser Division, darunter den in sowjetischer Gefangenschaft Umgekommenen, an Krankheiten und Seuchen Gestorbenen und den Vermissten? Warum ist dieses Epigramm überhaupt mit „110.I.D.“ unterschrieben, obwohl es nur noch sehr wenige Überlebende gab? Was bedeutet eigentlich das für eine Heerestruppe überraschende Wikingerschiffssymbol auf dem Stein? Warum fehlt hier das Eiserne Kreuz als zentrales Gedenksymbol deutscher soldatischer Erinnerungskultur? Geht es hierbei um eine damals trotz der katastrophalen Niederlage noch nachwirkende rassistische Eroberungsideologie und dem damit verbundenen besonderen Kampfauftrag dieser Division? Einmal begonnen, wollen diese Fragen kaum enden, aber zumindest die wichtigsten müssen im Kontext auch der Informationstafel kurz angesprochen werden. Nur so kann an die Stelle der inhaltsleer angedeuteten Schmerzhaftigkeit für den weniger informierten Betrachter ein nachvollziehendes Verstehen treten.

Im Übrigen bewegt sich der Text mit dem zweiten Absatz  zwar in die richtige Richtung, ist aber terminologisch widersprüchlich bzw. unzureichend ausgefüllt. Immerhin fällt hier erstmals – anstatt „Denkmal“ - der Begriff „Gedenkstein“, der dem Begriff „Stein“ in der städtischen Beschlussfassung schon deutlich näher kommt. Es bietet sich an, diesen quellenkritisch angemesseneren Begriff im gesamten Informationstext konsequent zu verwenden.

Leider wird durch den zweiten Absatz der Gedankengang zur 110.I.D. unnötig unterbrochen. Die Inhalte aus dem ersten, dritten und vierten Absatz zur Geschichte, zum Angriffs- und Vernichtungsauftrag und zum brutalen operativen Wirken der 110.I.D. gehören besser hintereinander voran gestellt, woraus sich einige Kürzungsmöglichkeiten sowie eine Vermeidung von einigen sprachlichen und darstellungslogischen Fehlern automatisch ergeben –  übrigens ohne wesentliche Textverlängerung auch nach Einarbeitung der voranstehenden kritischen Hinweise.

Schließlich sollte die Formulierung überprüft werden, dass die Stadt 1960 versprochen habe, das Denkmal als „Ehrenmal“ zu bewahren und zu pflegen. Der Wortlaut des Beschlusses vom 06. September 1960 ist nicht so eindeutig. Denn die Stadt hat laut eigenem Wortlaut nichts „versprochen“ und den Aspekt des „Ehrenmals“ auch nicht für sich selbst aktiv zustimmend übernommen, sondern lediglich auf die hierauf zielende Absicht des Traditionsverbandes, also nicht unmittelbar der Stadt, verwiesen. Und in diesem klarstellenden Sinne hat sie sich lediglich „damit einverstanden erklärt“, dass der „Stein“ (man beachte die nüchtern klingende Wortwahl!) erst „nach der Einweihung in die Obhut der Stadt übernommen wird“. Mit anderen Worten, hiermit sollte klargestellt werden, dass die Stadt bis zur tatsächlichen Aufstellung des Steins nicht sichtbar als hierfür treibende Kraft erscheinen wollte.

Hiervon durch einen neuen Absatz abgetrennt, verdeutlicht entsprechend der weitere Beschlusstext des Verwaltungsausschusses, dass „die gärtnerische Erstgestaltung …. vom Stadtgartenamt  gegen Erstattung der Unkosten durchgeführt wird“. Auch dies passt zum voranstehenden Eindruck, dass die Stadt sich nicht in die Rolle einer sichtbar treibenden Kraft begeben wollte. 

Mit der Inobhutnahme des Steins ist zumindest nach dieser Quelle keine rechtliche Eigentumsübertragung verbunden gewesen, sondern nur die städtische Bereitschaft zu dessen Pflege sowie der gärtnerischen Pflege des Umfeldes. Eine befristete oder unbefristete städtische Verpflichtung ist in diesem Zusammenhang ebenso wenig erfolgt wie ein Versprechen, diesen Stein auf ewig an dieser Stelle zu positionieren.

Falls die Stadt sich noch heute an die damalige Zusage gebunden fühlt, würde diese somit durch eine Verlagerung des Steins (mit Informationstafel) z.B. in das Ostpreußische Museum nicht gebrochen. Diese Verlagerung wäre sogar historisch begründbar, da für die 110.I.D. ihre operative Teilnahme am Überfall auf die Sowjetunion von Ostpreußen aus begann.

 

Zum dritten Absatz

Dieser bedarf einer inhaltlich konzentrierenden sowie sprachlichen Bearbeitung. Die Kennung der Division sollte im ganzen Text einheitlich erfolgen, also hier wäre keine neue Bezeichnung wie „110.Inf.Div.“ zu verwenden. 

Die in diesem Absatz aufblitzende Differenzierung zwischen (hiermit gemeinten regulären) „Kampfhandlungen“ und „…..grausamsten Kriegsverbrechen…..“ ist eine unbedachte Verbeugung gegenüber der nach dem Kriege gängigen These, dass man bei den (regulären) Kampfhandlungen soldatisch sauber geblieben sei und Kriegsverbrechen nur von einigen Wenigen begangen wurden. Zur Vermeidung dieser Relativierung muss „neben Kampfhandlungen“ gestrichen werden, zumal es in einem völkerrechtswidrigen Angriffs- und Vernichtungskrieg a priori keine völkerrechtlich zulässigen Kampfhandlungen geben kann.   

Zu streichen ist auch die potentiell relativierende Verstärkung „grausamste“ für die Kriegsverbrechen. Denn Kriegsverbrechen werden im Völkerrecht nicht nach kleineren (deshalb zu vernachlässigenden?) und grausamsten behandelt, sondern prinzipiell als das, was sie in Bezug auf den Rechtsbruch sind.

Im Übrigen entspricht die Formulierung „Die 110.Inv.Div. hat sich……beteiligt.“ nicht der Befehlskette im Rahmen des der 9. Armee innerhalb der Heeresgruppe Mitte unterstellten 56. Panzerkorps, dem die 110.I.D. zusammen mit der 35.I.D. und der 129.I.D. zum Zeitpunkt der Kriegsverbrechen im März 1944 (nicht Frühjahr wie im Entwurf formuliert!) angehörte. Historisch korrekt wäre eher: “……wurde zusammen mit weiteren Divisionen der 9. Armee bei Kriegs-verbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingesetzt.“. Dies macht auch deutlich, dass es bei der Betrachtung im öffentlichen Raum vor allem auf die militärpolitisch-strategische und zugeordnete taktisch operative Konzeption des damaligen Verbrechens ankommt, in die sich die taktisch-operative Umsetzung u.a. durch die 110.I.D. ohne völkerrechtliche, menschenrechtliche oder kriegsrechtliche Bedenken institutionell einordnete. Dies ist das durch die Stadt zu behandelnde öffentliche Thema, also nicht der einzelne deutsche Soldaten dieser Division mit seinem individuellen Verhalten, seiner individuellen Verantwortung, seinem individuell verursachten und selbst erlebten Elend.

Schließlich gilt im öffentlichen Raum die offizielle deutsche Länderbezeichnung „Belarus“ statt „Weißrussland“. Deutschland nimmt damit Rücksicht auf das Interesse von Belarus, etwaigen nationalrussischen Bestrebungen (siehe parallel die ungelöste Problematik seit 2014 in der Ostukraine) auf terminologischer Ebene ein potenzielles Handlungstor zu schließen (siehe hierzu auch die genaue Terminologie des Bundespräsidenten in Malyj Trostenez am 29.06.2018).

 

Zum vierten Absatz

Dieser beginnt wegen „Sie verschleppte…“ mit einer missverständlichen Verbindung zum dritten Absatz und erweckt so beim weniger informierten Betrachter den historisch falschen Eindruck, als ob die 110.I.D. alleine „rund 50.000 Zivilisten“ in drei Todeslager verbracht hätte. Der Verantwortungsanteil der 110.I.D. liegt hieran bei heute nur noch zu schätzenden 40% dieser ebenfalls nur noch zu schätzenden Gesamtzahl der zivilen Opfer.

Wichtig wäre auch eine kurze Zahlenangabe zu den durch sowjetische Stellen gesichert registrierten Überlebenden nach Geschlecht und Alter, weil hieran umso schockierender deutlich würde, dass dieses Verbrechen überwiegend an Säuglingen und Kindern unter 13 Jahren begangen wurde, von denen nach der Befreiung des Raums Ozarichi alleine 15.960 als Überlebende registriert wurden.

Dieser Absatz bedarf insgesamt einer sprachlich konzentrierenden und faktengerechten Bearbeitung, darunter auch zu einigen operativ entscheidenden Stichworten, z.B.: Verschleppung-vorangegangene Deportation? Unmittelbar ermordet – planvoll getötet? Zivile Opfer – Sonstige Opfer? Eine mangelnde Konzentration der Aussagen belastet auch unnötig den letzten Satz, der im Übrigen zwar die Denkmalanlage von 2002 (ohne deren damals aktuellen innenpolitischen Hintergründe) in Osaritschi erwähnt, jedoch nicht das zuvor schon 1965 errichtete Denkmal, mit dem u.a. auf die „über 9.000 Opfer“ hingewiesen wird.  

Zum fünften Absatz

Das Zitat des Bundespräsidenten ist an dieser Stelle zwar wichtig und richtig platziert, jedoch wird die möglicherweise damit beabsichtigte „Übertragbarkeit“ der Aussage auf die Lüneburger Nachkriegsgeschichte der Interpretation des Betrachters überlassen und nicht mit klarem Bezug auf die Stadt ausgesprochen. Ein hieran deutliches Zögern kommt auch in der bemerkenswerten Verkürzung des Bundespräsidenten zum Ausdruck, der mit Blick auf aktuell wieder aufwachsende Strömungen in Deutschland hinzugefügt hatte: „Und ich versichere Ihnen, wir werden diese Verantwortung auch gegen jene verteidigen, die sagen, sie werde abgegolten durch verstrichene Zeit“. Auch hierzu sollte eine klare Positionierung der Stadt Lüneburg nachgeholt werden, um unnötige Missverständnisse zu vermeiden.

 

Eine Schlussbemerkung

Bislang fehlt ein abschließender sechster Absatz, mit dem sich die Stadt  im heutigen Wissen um das Geschehene und dessen Behandlung seit der Nachkriegszeit von ihrer früheren Linie ohne vernebelnde Rhetorik distanziert. Der allgemeine Hinweis im zweiten Absatz auf den „in den 1960er Jahren noch in vielen Städten und Einrichtungen“ präsenten „unreflektierten Umgang mit der NS-Vergangenheit“ deckt dies nicht ab. Zudem trifft der zeitlich einschränkende Hinweis auf die 1960er Jahre im Falle der offiziellen Lüneburger Positionierung zur 110.I.D. nicht zu. Die eigentliche Leistung der angestrebten erinnerungs-politischen Aufarbeitung besteht gerade bei diesem Thema in der klaren und im Namen der Stadt verantwortlich präsentierten Distanzierung gegenüber ihrer damaligen Linie. Denn nur so macht auch der ansonsten unnötige Bezug auf die Aussage des Bundespräsidenten den intendierten Sinn. Solange diese klare Distanzierung fehlt, müsste auch das merkwürdig verkürzte Zitat des Bundespräsidenten gestrichen werden, da dieses ansonsten wie eine Mauer wirkt, hinter der das eigene Schweigen auf neue Art versteckt wird.

 

Verfasst von Gebhardt Weiss – Barum

Zum Tag der Deutschen Einheit am 03.Oktober 2018

 

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