Kulturausschuss am 8. 6. 2018 zum 110er-Gedenkstein am Springintgut
Verwaltung zieht eigenen Textvorschlag zurück. Entscheidung über neuen Text vertagt

Mit einem Schachzug verhinderte die Ausschuss-Mehrheit, dass der Textvorschlag der VVN diskutiert wurde

Für einen Ersatz der heftig kritisierten „Friedenspfad“-Tafel am 110er-Gedenkstein hatten auf der Ausschuss-Sitzung vom 8.6. sowohl die Stadtverwaltung als auch die VVN Lüneburg je einen Text vorgelegt; den Vorschlag der VVN hatte „Die Linke“ als Antrag übernommen.

Die VVN hatte zuvor den Verwaltungs-Vorschlag gründlich kritisiert: Er negiere die historische Wahrheit, stelle sich nicht der Verantwortung und falle streckenweise sogar noch hinter die aktuell dort installierte  „Friedenspfad“-Fassung zurück  (ausführliche Kritik des Verwaltungsvorschlages siehe hier).

Auf der Ausschuss-Sitzung kam dann die überraschende Kehrtwende: OB Mädge zog den Textvorschlag seiner Verwaltung zurück: Er entspreche tatsächlich nicht den inhaltlichen Anforderungen. Auf Antrag von SPD-Ratsherrn v. Mansberg beschloss der Ausschuss, dass eine Kleingruppe einen besseren Text formulieren und dem Ausschuss bei dessen nächster Sitzung vorlegen soll.

Diese Kleingruppe besteht aus den Mitgliedern Schellmann (FDP), Jamme (CDU), v. Mansberg (SPD) und Bögershausen (Grüne); zusätzlich darf Frau Düselder von der Museumsstiftung und ein Vertreter der VVN teilnehmen.

Mit diesem Schachzug verhinderte die Ausschuss-Mehrheit, dass der vorgelegte Textvorschlag der VVN diskutiert wurde. David Amri (Die Linke) sah sich denn auch genötigt, seinen Antrag mit dem VVN-Text zurückzustellen – sonst wäre dieser mit Verweis auf die zuvor eingerichtete Kleingruppe  sicher abgelehnt worden.

Ohne auf seinen Inhalt einzugehen, hielten einzelne Ausschuss-Mitglieder mit pauschaler Kritik am VVN-Text gleichwohl nicht hinter dem Berg:
1. Er sei zu lang (u.a. Schellmann, Mädge)
2. Er sei angelehnt an die Stelen-Texte in Karlsruhe; diese seien aber Ergebnis eines langen Prozesses - diesen Prozess müsse man auch in Lüneburg durchlaufen und dürfe ihn nicht abkürzen. (von Mansberg)
3. Er sei nicht mehrheitsfähig (Mädge)!

Zur Rechtfertigung des Vorgehens hieß es dann wohl auch in Richtung VVN, es gehe bei dem gesuchten Text jetzt nur um eine Zwischenlösung –die endgültige Formulierung werde das „Forum“ erarbeiten. Gleichzeitig betonten dieselben Ausschussmitglieder, dass die Forumsarbeit sehr lange dauern werde. Die „Interimslösung“ droht damit zur faktischen Dauerlösung zu werden.

In der Kleingruppe wird die VVN ihren Textvorschlag wieder vorlegen. Einer „Bitte“ an die Manzke-Stiftung, ihren bisherigen Tafeltext entsprechend zu ändern – so stand es im ursprünglichen Antrag der Verwaltung – wird sich die VVN keinesfalls anschließen! Nach zweimaligem Fehlschlag unterstützen wir am 110er Stein keine weitere Texttafel von der Manzke-Stiftung mehr.