Sie sind hier: Startseite > kritik am dritten versuch
 
Klappe, die dritte!



Neue Texttafel vom Friedenspfad am 110er Stein
 



Kritik am 3. Versuch

    

Zum 3. Mal versucht die Stadt Lüneburg dem Tafeltext am Denkmal der 110.I.D einen historisch korrekten und moralisch angemessen Inhalt zu geben.
Wieder scheitert der Versuch kläglich!!!

Der neue Textvorschlag stellt gegenüber der bisherigen 2. Fassung Tafeltext keine grundlegende Verbesserung dar; stellenweise fällt er sogar hinter diese Version zurück.

Zusammenfassung der Kritik der VVN Lüneburg am neuen Textentwurf

Sollte er beschlossen werden, vergibt die politische Vertretung Lüneburgs damit zum 3. Mal die Chance, eine verantwortungsvolle Haltung zur 110. I.D. einzunehmen.

Das erforderte u.E., trauernd der Verbrechens-Opfer der 110. I.D. zu gedenken und jeder kritiklosen Ehrung der 110. I.D. entgegenzutreten - und sich damit auch von dem Denkmal und der jahrzehntelangen Partnerschaft zwischen den 110er-Veteranen und der Stadtvertretung zu distanzieren.

Die Botschaft jedes Textes beim 110er Denkmal sollte ohne Wenn und Aber heißen:
"Ein Vernichtungskrieg mit solchen Verbrechen darf es nie wieder geben!"

Ausführliche Begründung
(rot hervorgehoben = Zitate aus dem Textvorschlag der Stadtverwaltung):

  1. "Am Wallaufgang wurde 1960 das Denkmal...errichtet."
    Die Passivformulierung verschleiert die Akteure (Wer hat errichtet? Mit welcher Absicht? Mit welchem Hintergrund? Und ebenso: Wer hat das Errichten gestattet bzw. begrüßt? Warum?

 
     Der Vorschlag verschweigt außerdem: Wie wurde das Denkmal in den folgenden  
      Jahrzehnten

      genutzt? Wofür bildete er die Kulisse? Wer waren die Akteure?
2.   „Die Einheit wurde 1940/41 im Raum Lüneburg für den Überfall auf die Sowjetunion
      aufgestellt, der als Vernichtungskrieg geführt werden sollte".


      Auch bei dieser Formulierung bleiben die Akteure ungenannt, die es zu verantworten haben,
      dass dieser Krieg von Beginn an als Vernichtungskrieg geplant und geführt wurde.


      Die gekünstelt wirkende „Sollte“- Formulierung  wäre u.E. zu ersetzen durch die
      Tatsachenfeststellung:

      "...der von der Wehrmacht als Vernichtungskrieg geplant und durchgeführt wurde."

3.   „Die 110. Inf. Div. hat sich neben regulären Kampfhandlungen ...mit anderen Einheiten
      …an Verbrechen beteiligt".

      Das Anführen „anderer Einheiten“ als ebenfalls Verbrechensbeteiligte ist nicht erforderlich,
      um das Verbrechen der 110. I.D. zu verstehen.


      Indem der Text hier die „Verbrechen“ der 110. I.D. erst dann benennt, nachdem er im selben 
      Satz zuvor deren „regulären Kampfhandlungen“ herausgestellt hat, wirkt seine
      Formulierung relativierend und deplatziert.


      Damit fällt diese 3. Version sogar noch hinter die existierende 2. Textfassung am Denkmal
      zurück!


     Der Bundestag hat festgestellt: „Der Zweite Weltkrieg war ein Angriffs- und
     Vernichtungskrieg, ein vom nationalsozialistischen Deutschland verschuldetes Verbrechen
.“
     (Deutscher Bundestag, Beschluss vom 15. Mai 1997)


      Dieser Vernichtungskrieg war er demnach per se ein Verbrechen.

      Die historische Forschung hat speziell für die deutschen Kriegsziele und die Kriegsführung
      in Osteuropa deren vollständige Irregularität zweifelsfrei erwiesen. (siehe z.B. den
      „Generalplan Ost“, die „verbrecherischen Befehle“, die zahlreichen Veröffentlichungen von
      Militärhistorikern, usw.).


      Unter dem Gesichtspunkt „Aus der Vergangenheit lernen“ hätte ein angemessener Tafel-
      Text genau diesen Aspekt der „Irregularität“ des Wehrmachts-Krieges hervorzuheben – statt
      der 110. I.D. "reguläre Kampfhandlungen"


      Diese Wendung beschönigt den Vernichtungskrieg. Sie muss im Kontext aufgefasst werden
      in der Bedeutung von: "Sie waren als normales Kriegshandwerk schon in Ordnung".

      Solch revisionistischer Einschätzung darf der Kulturausschuss u.E. auf keinen Fall Vorschub
      leisten!

 

  1. Der Satz: "Zivilisten ... wurden …auf freies Feld verschleppt" umgeht den in der Fachliteratur für die „Osaritschi-Lager“ verwendeten Terminus „Todeslager“. Die Formulierung des Textvorschlages unterschlägt die akribisch geplante Seite dieses perfiden Verbrechens. Ein „Verschleppen auf freies Feld“ klingt eher nach einer spontanen Aktion; es handelt sich aber um über die Befehlskette bis hinunter zu den ausführenden Soldaten befohlenen Massenmord. (dass diese Titulierung angemessen und zutreffend ist, führen wir unter Punkt 7 aus)

    Die von der Verwaltung erstellte Textvorlage verschweigt aber auch die quantitative Dimension dieses Verbrechens gegen die Menschlichkeit: Warum unterschlägt sie die in der Forschung genannte Zahl der Opfer (bis zu 13.000 Todesopfer nach Hans-Heinrich Nolte, etwa 9.000 Todesopfer nach Christoph  Rass für den gesamten Lagerkomplex bei Osaritschi -  wobei Prof. Rass: „von bis zu 3.600 Todesopfern allein im Bereich der 110. Infanteriedivision“ ausgeht).

 

  1. Die Denkmalinschrift " ..Es sage keiner, dass unsere Gefallenen tot sind" auch in diesem dritten Text wieder kritiklos aufzunehmen und sie sogar zu einer sinnigen "Botschaft" hochzustilisieren, die dann entsprechend auch noch ausnahmslos "gelten ...möge" klingt bedeutungsschwer, ist aber völlig verfehlt.

    Abgesehen davon, dass der Textvorschlag sich hier ausschließlich den “Gefallenen“ zuwendet: Er unterschlägt, dass in der Antike damit sehr positiv an die vermeintlich "edlen Gefallenen" und ihr "ehrenvolles, aufopferndes Handeln" erinnert werden sollte. Das mag dort auch schon verlogen gewesen sein - es kann für die Gefallenen der 110. ID pauschal jedenfalls überhaupt nicht gesagt werden.

    Dass sogar eine faschistische Deutung der Aussage „unsere Gefallenen sind nicht tot“ möglich ist und während des Krieges durchaus gebräuchlich war, haben wir bereits in unserer Broschüre zum Friedenspfad aufgezeigt. Die Nazis instrumentalisierten die toten Soldaten als wichtige „Helfer“ der Lebenden bei der Verwirklichung der Kriegsziele – in diesem Sinne seien diese Toten eben „keineswegs tot“; sondern sie „marschier´n im Geist in uns´ren Reihen mit.“
    Solch eine Deutung sollte durch einen distanzierenden Text zweifelsfrei ausgeschlossen werden.

 

  1. Auf die Gleichsetzung von Tätern und Opfern in der Wendung von „Möge diese Botschaft allen den durch Krieg und Vernichtung umgekommenen und umgebrachten Menschen gelten“ wird – wie auch schon in den vorigen 2 Textversionen – auch in der vorliegenden 3. Fassung nicht verzichtet; wir halten diese Gleichsetzung für völlig deplatziert.

 

  1. In "Osaritschi erinnert ...eine Denkmalanlage an die zivilen Opfer, die ..in drei Lagern der Wehrmacht ... zu Tode gekommen sind."
    Hier nennt der vorgelegte Text die Lager der deutschen Wehrmacht – wiederum allerdings verharmlosend als Ort, wo zivile Opfer zu Tode gekommen
    Dagegen handelt es sich bei dem gesamten Verbrechens-Vorgang bei Osaritschi zweifelsfrei um heimtückisch geplanten Massenmord.
    Denn bereits bei der Selektion der sog. "nutzloser Esser" (dieser Wehrmachts-Fachausdruck fehlt ebenfalls) und bei der Deportation der arg- und wehrlosen Zivilisten erschossen die Soldaten zahlreiche Menschen.
    Auch das Einsperren in den verminten Todeslagern, das Erfrieren- , das Verhungern-lassen und die Tatsache, dass die Wehrmacht ihre geschwächten Opfer bewusst Thyphus-Infektionen aussetzte – all das kann nicht anders als „Mord“ bezeichnet
    werden.
    Insofern ist es sachgerecht, wenn der Satz hier schlicht lautete:
    „…in den Todeslagern der deutschen Wehrmacht u.a. von der 110. I.D. ermordet wurden.

 

  1. Die nach den historischen Erkenntnissen notwendige Distanzierung des heutigen Lüneburg vom 110er Denkmal fehlt in der Textvorlage der Verwaltung leider völlig.

 

 

Am Lüneburger Gedenkstein für die toten Wehrmachtssoldaten der ehemaligen 110. Infanterie-Division hat die „Friedensstiftung“ ihre bisherige Texttafel gegen eine neue ausgetauscht. Damit ist dort in nunmehr dritter Text-fassung der Versuch unter-nommen, den historischen Hintergrund dieses Denkmals zu erklären. Die vorigen Versionen waren nicht nur von der VVN heftig kritisiert worden, u.a. weil sie die Kriegsverbrechen der Division ausblenden bzw. deren Opfer in Belarus mit den Täter-Soldaten gleichsetzen  (siehe dazu unsere Bro-schüre „Kritik des `Friedens-pfades´ der Friedensstiftung Günter Manzke“).

Der jetzige Text wurde der „Friedensstiftung“  vom Kulturausschuss des Stadtrates vorgegeben. Zu seiner Erstellung hatte der Ausschuss eigens eine Arbeitsgruppe gebildet, an der sich u.a. auch die VVN mit einem eigenen Textvorschlag beteiligte. Damit konnten wir uns jedoch nicht durchsetzen: Am Ende stimmte der Kulturausschuss sowohl gegen diesen VVN-Text, als auch gegen unseren  Appell, als Stadt selbst Verantwortung zu zeigen – und das nicht einer privaten Firmenstiftung zu überlassen. Das – so unsere Argumentation -  erfordere, dass Lüneburg dort eine eigene Tafel mit einem selbstkritischen Text installiere.

Gegen die VVN-Vorschläge argumentierten die Ausschuss-Mitglieder vor allem formal: Unser Text sei zu lang, hieß es. Zudem gehe es jetzt nur um eine „Interimslösung“  - eine dauerhafte Rahmung des Denkmals solle dem „Forum Erinnerungskultur“ vorbehalten werden. Schließlich wolle man nicht die „Friedensstiftung“ ausbooten, die sich sehr geduldig und überdies  großzügig gegenüber der Stadt verhalte – und der vor allem  das große Verdienst zukomme, die ganze Diskussion um die 110. Infanteriedivision überhaupt erst in Gang gebracht zu haben (!). Im Zuge dieser devoten Lobhudelei verstieg sich ein  Ausschussmitglied sogar dazu, den Stiftungshistorikern ihr vermeintliches „ehrenamtliches“ Engagement (!) zugute zu halten. Ist das nur peinlich, oder dreist – oder wie sollen tatsächlich ehrenamtlich Tätige das verstehen?? Der jetzige, dritte Text jedenfalls stellt nach unserer Auffassung leider keinen nennenswerten Fortschritt dar – entsprechend hatte ihn unser Vertreter in der Arbeitsgruppe auch ausdrücklich abgelehnt. Es bleibt abzuwarten, ob diese Texttafel tatsächlich nur eine kurze „Zwischenlösung“ bleibt.

 VVN Lüneburg

Aktuelles


Revolution 1918/19 und Generalstreik gegen Kapp in Lüneburg.
Zur Geschichte der Lüneburger ArbeiterInnenbewegung.
Informations-und Diskussionsveranstaltung der VVN - BdA Lüneburg mit Frieder Kern zu seinem neuerschienenen Buch
Donnerstag, den 6. Dezember um 19.30 im Foyer der VHS, Haagestraße.

Zur Arbeit der Planungsgruppe für die Diskussionen um die Lüneburger Gedenkkultur
Die Planungsgruppe wird geleitet von Frau Dr. Düselder. Die Mitglieder der Gruppe bereiten die inhaltliche, organisatorische und personelle Arbeit im Rahmen der Neuausrichtung der Lüneburger Gedenkkultur vor. Dabei hatte sich das Gremium u.a. auf den Historiker Johannes Heer als vortragenden Fachmann im sogenannten Symposion geeinigt. Herr Raykowski von der VVN-BdA wurde gebeten, ihn einzuladen. Nachdem J. Heer seine Teilnahme bestätigt hatte, wurde er von Frau Dr. Düselder ohne Rücksprache mit den Mitgliedern der Planungsgruppe mit nicht nachvollziehbaren Begründungen wieder ausgeladen. Im Folgenden veröffentlichen wir den Brief, den wir in diesem Zusammenhang an die Leiterin der Planungsgruppe geschrieben haben, um zu verdeutlichen, dass augenscheinlich die inhaltliche Diskussion zum Thema von vornherein in eine bestimmte Richtung gelenkt werden soll.
                                                                          zum Brief

     So lief die Bürgerversammlung zur Lüneburger Gedenkkultur

Im Rahmen des Organisationsformats "Worldcafé" diskutierten ungefähr 80 BürgerInnen zur Gedenkkultur in Lüneburg.

                          weiterlesen            Fotos


Kritik am neuen Text auf der Gedenktafel für die 110.ID in Lüneburg

Dazu Texte

von    VVN-BdA-Lüneburg

 

Powered by CMSimple | Template: ge-webdesign.de | Login

nach oben